Heimreise Etappe 3: Kasachstan und Russland

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So langsam entspannt sich unsere Lage wieder etwas, aber was in den letzten Wochen passiert ist, war so spannend, dass uns gelegentlich fast die Sicherungen durchgebrannt sind. Gefühlt haben wir die Hälfte der Zeit bei unfähigen Mechanikern verbracht, die zwar ganz tolle „Schrauber“ sind, aber auch genauso große Schlamper. Werkstatt 1 sollte nur einen Service (Filter, Öle, blablabla …) machen. Stattdessen geht eine Pumpe während der Reparatur kaputt, und das können sie scheinbar nicht selbst reparieren, also werden wir in Werkstatt 2 geschleppt. Hier bleibt er 5 Tage. In dieser Zeit schauen wir uns die wundersam europäisch anmutende Stadt Almaty an und genießen gutes internationales Essen, aufgeschlossene Kasachen und hippe Cafés. Kaum zu glauben, dass man fast nach China rüberspucken kann! Eine Oase!

Mit einer Seilbahn fährt man in Almaty hoch auf den Hügel Kok Töbe. Schöne Aussicht über die Stadt und schneebedeckte Berge im Hintergrund.

Green Market Almaty

Safran für wenig Geld

Dann geht es endlich los. 2800km bis zur russischen Grenze … das Land ist irre groß. Die Stadt Almaty auch. Steffen steuert uns über eine Stunde durch den dichten Verkehr. Hochkonzentriert auf den selbstmörderischen Fahrstil der Kasachen bemerken wir erst weit außerhalb der Stadt, dass unser Tacho gar nicht mehr geht! Weder die Geschwindigkeitsanzeige noch der Kilometerzähler. Es fängt an zu regnen. Der Scheibenwischer tut aber auch nicht mehr. Dafür tropft es durch unser Dachfenster, dass wir immer noch nicht abgedichtet haben. Na prima.

Wir ärgern uns über die Schlamperei von Werkstatt 2, haben aber keine Lust und auch keine Zeit, zurückzufahren und nochmal 2 Tage in Almaty zu verweilen. Das russische Visum ist ein mit Datum festgelegtes Transitvisum. Und mit den Russen spaßt man nicht.

Also weiter.

Warum nicht mal mit dem Pferd auf die Autobahn …

Das ewig gleich Bild, sobald man mal Richtung Westen fährt. Steppe. Sonst nix.

Nächster Stopp ist das Städtchen Turkistan, in dem sich ein letztes großes Überbleibsel aus den Zeiten der historischen Seidenstraße befindet. Ein Mausoleum. Das lenkt uns ein bisschen ab.

Mausoleum Turkistan – das letzte sehenswerte Relikt aus den Zeiten der historischen Seidenstraße.

Kamel

Kamel vor Moschee

Kamele im Sonnenuntergang

Als wir am nächsten Morgen den Motor starten, hören wir ein Rasseln vorne am Auto. Hm. Komisch. Es legt sich während der Fahrt. Wir haben auch das Gefühl, dass das Auto eine leichte Unwucht hat und düsen daher langsamer als sonst einige hundert Kilometer durch die kasachische Steppe. Plötzlich knackende und malmende Geräusche. Steffen kann das Auto auf einmal kaum mehr lenken. Panisch steuern wir den nächsten Parkplatz an und tun das, was jeder macht. Mal unters Auto schauen. Mal die Kühlerklappe auf. Mal langsam fahren, während der andere von außen beobachtet.

Dumm wie die Schildbürger stehen wir da und haben keine Ahnung, was los ist. Steffen verdächtigt grundsätzlich pauschal immer die Kardanwelle, von der ich mittlerweile sicher weiß, dass man sie nicht surfen kann. Er schlägt vor, sie auszubauen. WAS? Ich frage, wie lang er dafür braucht. 3-4 Stunden, sagt er. Oh mein Gott, alles, nur nicht das. Es ist heiß. Wir sind mitten in der Steppe. Aber: Die Straße ist stark befahren, daher erwäge ich Plan B, der da heißt, mich in einem hübschen Kleidchen an die Straße zu stellen, um einen Trucker zum Stoppen zu bringen, der uns abschleppen kann.

Bevor es so weit kommt, probieren wir es aber noch mit der allseits bewährten 8er-Methode. Wir fahren so lange 8er auf dem Parkplatz, bis das Malmen schließlich aufhört. Aha. Cool. Vielleicht nur ein Steinchen gewesen, das jetzt rausgefallen ist. Whatever. Wir können nur raten.

Weiter geht’s. Wir wollen nämlich den Raketenstart im Kosmodrom Baikonur nicht verpassen. Das ist ein Weltraumbahnhof. Klingt mega, oder? Weltraumbahnhof … wann kommt man da schon mal vorbei?

Leider dürfen wir nicht bis ins Innere des Kosmodroms hinein, dafür hätte es eine Vorlaufzeit von 1-2 Monaten gebraucht, um den Papierkram zu erledigen. Egal, aus 18km Entfernung beobachten wir zusammen mit einigen anderen Reisenden aus Deutschland das 2-minütige Spektakel und schlagen anschließend zusammen unser Nachtlager in der Steppe auf. Das hat auch den Vorteil, dass wir uns über unsere Kfz-Probleme austauschen können – und feststellen, dass alle mal Probleme haben. Etwas beruhigter fahren wir weiter.

Nächster Stopp ist der nicht vorhandene Aralsee. Es ist so ein trauriges Bild, dass wir hier nicht lange bleiben. Die Russen haben hier vor langer Zeit Wasser abgeführt und damit so stark in die Natur eingegriffen, dass ein ganzer See verschwunden ist.

Gemächlich fahren wir mit unserem unwuchtigen Auto weiter und steuern in der nächsten großen Stadt (Aktöbe) Werkstatt 3 an, um mal nach dem Rechten sehen zu lassen, weil wir ja diese Unwucht spüren. Es werden beide Hinterreifen abmontiert. Und beide weisen einen ellenlangen Riss auf, so dass man sogar den Draht im Reifeninneren sieht. Upps. Die wechseln wir mal besser. Vermutlich ein Ergebnis der teuflisch schlechten Straßen von Tadschikistan damals.

Da hier nur Reifen montiert werden, müssen wir wegen des anderen Problems (dem Malmen) in Werkstatt 4. Die Jungs erinnern mich mehr an grobe Schlächter, als an Mechaniker. Die hauen auf unser Fahrgestänge ein, dass uns echt anders wird. Immerhin stellen sie fest, das unser rechtes Antriebswellengelenk 3 Risse hat. Gar nicht gut. Es wir ein Ersatzteil Marke „Opel“ beschafft, weil von Fiat nichts da ist. Man garantiert uns, dass wir damit heim kommen. Wir hoffen. Aber wir glauben nicht.

Wir kommen gut über die russische Grenze und nisten uns im hübschen Samara ein.

Hipster-Café in Samara

Hier erleben wir das WM Eröffnungsspiel und sind erstaunt, wie zurückhaltend die Russen feiern. Keine Schlachtrufe, keine Gesänge. Dann grölen wir halt ein bisschen.

Eine Sache steht immer noch aus: die Beschaffung des originalen Ersatzteils (Antriebswellengelenk), und siehe da, hier hilft man uns in Rekordzeit weiter. Der Chef persönlich telefoniert, googelt, kümmert sich. Nach 12 Stunden ist das Teil da. Werkstatt 5 ist die mit Abstand sauberste, organisierteste und professionellste, die wir auf der Reise gesehen haben.

Der zweite längere Stopp innerhalb Russlands findet in Woronesch statt. Hier gibt es Public Viewing und wir können das Deutschlandspiel sehen. Was es allerdings nicht gibt, ist Bier! Verboten! In Deutschland undenkbar unter Fußballfans.

Und dann heißt es, zügig zur Grenze, bevor das Visum abläuft.

Es wird nochmal eine richtig ätzende Grenzkontrolle. 3 Stunden hält man uns fest, röntgt die Karre, befragt uns. Kein Wunder bei den vielen Stempeln im Pass und diesem Gefährt.

Aber schließlich sind wir durch. Wir sind in der Ukraine angekommen und damit nur noch 2 Länder von Deutschland entfernt.

Theoretisch.

Heimreise Etappe 2: Bali – Bangkok – Bischkek

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Unsere letzten Tage auf Bali in Indonesien hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt. Bis dahin hatten wir wirklich eine tadellose Gesundheitsbilanz, aber dann kam diese Erkältung … und blieb. Nicht ein Ausflug. Nicht eine Welle gesurft. Nicht ein Foto gemacht. 10 Tage ans Bett gefesselt und Ingwertee getrunken.

Dann stand der Flug nach Bangkok an. Theoretisch hätten wir auch gleich bis Kirgisistan fliegen können, aber irgendwie schien uns dieser Tapetenwechsel etwas zu krass. Und da Steffen noch nie in Thailand war, war der 3-tägige Zwischenstop in Bangkok eigentlich ganz nett. Kaum zu glauben, wie schnell er hier wieder aufgeblüht ist. Vor einigen Tagen noch der sterbende Sinusitis-Schwan und nun … voller Energie! Eigentlich ein überzeugter Anti-Kapitalist, bricht hier die innere Shopping Queen in ihm durch. Willenlos stromert er über die Khao San Road. Hier eine Hippie-Hose, da ein cooles T-Shirt, dort ein Armbändchen, vielleicht noch eine Ledertasche, oder doch lieber eine Lichterkette? Schlaraffenland der schönen und außergewöhnlichen Dinge (die liebt er nunmal). Ihm gefällt’s und mich freut’s, dass es ihm gefällt. Auch einen Tempel schauen wir uns an. Habe den 46m langen Buddha im Jahr 2001 zuletzt gesehen und weiß nun, dass er immer noch daliegt.

Liegender Buddha im Wat Pho

Die Perlmuttfüße vom Buddha

Flug von Bangkok über das Tian Shan Gebirge nach Kirgisistan

Jaaa … und dann ist es so weit. Wir verlassen Südostasien und landen in Zentralasien. Hier haben wir – wie der treue Blogleser weiß – im Herbst 2017 unser Wohnmobil abgestellt, nachdem wir von Deutschland aus bis nach Kirgisistan gefahren sind. Der Grund dafür war, dass sowohl China, als auch Myanmar und Thailand verlangen, dass man sich einen (sehr teuren) Guide für die Durchfahrt dieser Länder nehmen muss. Da hatten wir schlichtweg keinen Bock drauf und haben das Fahrzeug einfach in Bischkek geparkt.

Abgesehen von einer dicken Staubschicht finden wir unseren Fiat Ducato in tadellosem Zustand, d.h. ohne Wasserschäden innen oder Rostflecken außen vor.

ERLEICHTERUNG.

Er springt auch gleich an, spitze, weiter geht’s.

Wir haben genug vom Rucksack-Reisen und freuen uns über die eigenen 4 Wände.

Nach einem kurzen Besuch in der Waschanlage stehen wir noch einige Tage im Friends Guesthouse bei Nurik, um die Karre auch innen klarzumachen. Ich bin 2 Tage lang mit Putzen beschäftigt, krieche auf allen Vieren in jede Ecke und jedes Schränkchen. Da ich weiß, wie sehr Steffen das Putzen liebt, bitte ich ihn „einfach nur auszuharren“. Ein folgenschwerer Fehler.

In seiner Ausharr-Phase knüpft er heimlich Kontakte zu anderen Reisenden im Guesthouse und die sind leider, leider Bergleute, Wanderer und sonstige Outdoor-Fuzzies. Er bringt in Erfahrung, dass der Schnee schon so weit abgetaut ist, dass man in die Berge kann. OH NEIN. Wollten wir nicht eigentlich zügig die Heimfahrt antreten? Bergfex Reloaded. Was vor einigen Wochen noch die Wellen waren, sind nun (wieder) die Wanderwege. Sie ziehen ihn magisch an. Die Sonne scheint. Es gibt kein Halten mehr. Wir fahren in das Wandergebiet am Issyk Köl (dem zweitgrößten Gebirgssee der Erde).

Nurik, der nette Besitzer vom Friends Guesthouse (Bischkek, Moskovskya Street 250)

Durch meine Putzaktion habe ich meine Bandscheiben so überlastet, dass ich von Steffen aber netterweise noch 2 Tage Schonfrist bekomme. Der Rücken tut weh (wirklich). Um ein Haar hätte sich meine Schonfrist sogar noch verlängert, denn – JUHU!!! – es fängt plötzlich an zu schneien. Der Schnee ist mein Freund. Ich sehe mich schon mit einem guten Buch und einer heißen Tasse Tee auf dem Sofa chillen. Aber der Schneefall hält nur 2 Stunden an, dann bricht die Sonne wieder durch. Typisch für hier. Scheiße.

Widerwillig krame ich die Funktionsklamotten hervor und füge mich meinem Schicksal.

Wenn es Pferde zu sehen gibt, wandert Frau G. gerne.

Tja … und so wandern wir am ersten Tag von 1800m auf 3000m hoch. 15km geht es stetig bergauf in das Altyn Arashan Tal im Osten des großen Sees Issyk Köl. Schon beim ersten Pferd mit seinem kleinen Fohlen ist meine schlechte Laune verflogen. So eine liebliche Landschaft. So viele Tiere. Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau. Die Schafe blöken lustig.

Das „V.I.P. Yurt Camp“ in Altyn Arashan bei Karakol (Ostkirgisistan)

Oben angekommen – und beide gleichermaßen erschöpft – beziehen wir unsere Jurte. Ein Isreali liegt schon drin. Wir teilen uns die Hütte, denn Feuerholz ist rar und es wird nur eine Jurte beheizt. Alles klar. Emre heißt er und spricht perfekt Englisch, weil er in Amerika studiert hat. Wir verstehen uns blendend. Es sind noch ein kasachisches und ein chinesisches Pärchen zu Gast. Die Kasachen schlafen im eigenen Zelt, die Chinesen haben sich ein „richtiges“ Zimmer im Haupthaus gemietet.

Traditionelle Jurte nach oben fotographiert. Das Muster ist in der kirgisischen Flagge enthalten.

Am zweiten Tag kann ich trotz anhaltender Rückenschmerzen einem kleinen Ausritt nicht widerstehen. Zu schön ist es, auf einem Pferd zu reiten (auch, wenn ich es nie gelernt habe). Mein Pferd gähnt nur auffallend häufig und stolpert so vor sich hin, so dass ich es nach zwei Stunden zurückbringe, während Steffen mit seinem Gaul noch ein bisschen weiter ins Tal reitet. „Strecke machen“, wie er das nennt. Das ist ganz wichtig, dass man „Strecke macht“.

Ausritt ins Altyn Arashan Tal

Abends gehen wir noch in die heißen Quellen, genaugenommen in die sauheißen Quellen. Sie sind alle in kleinen Holzhütten. Man bekommt einen Schlüssel dafür und ist für sich. Eine sehr, sehr wohltuende Aktion (auch für den Rücken).

In der zweiten Nacht wollte Steffen eigentlich alleine in seinem Zelt (das er eigens hierfür mithochgeschleppt hat) auf einem Gipfel schlafen. Der hat Ideen!?! Ich hab gleich gesagt, dass ich da nicht mitmache. Mir freiwillig den Arsch abfrieren, wo ich doch unten in der gemütlichen Jurte am Öfelchen schlafen kann? Auf gar keinen Fall. Er argumentiert damit, dass es gut sei, aus der Komfortzone zu kommen. Aha. Ich sage, dass ich bereits außerhalb meiner Komfortzone bin, wenn das Thermometer unter 20° C fällt. So sieht’s aus.

Jedenfalls war sein Schlafsack nicht mal in der ersten Nacht in der beheizten Jurte ausreichend, und so ließ er die Aktion in der zweiten Nacht dann bleiben, zumal er auch wirklich keine Lust auf eine erneute Erkältung hatte.

Am dritten Tag steigen wir wieder ab. Es ist doch ziemlich kühl noch da oben, vor allem, wenn die Sonne untergegangen ist. Und dann hockt man in der dunklen Jurte und kann nicht viel tun … und wir haben ja noch was vor.

Letzter Schlafplatz auf kirgisischer Seite, bevor wir am nächsten Tag die Grenze nach Kasachstan überqueren.

Vom Issyk Köl geht es also dann Richtung Kasachstan. Wir nehmen die östlichste Grenze, im Dreiländereck „China-Kirgisistan-Kasachstan“. Es ist unglaublich schön hier. Der Grenzübergang läuft geschmeidig, die Landschaft ist sehr abwechslungsreich.

Letzten Sonntag erreichen wir Almaty, die größte Stadt Kasachstans. Hier wollten wir das Auto noch einmal gründlich durchchecken lassen und sind direkt in eine Werkstatt gefahren.

Nach dem Wechseln des Kraftstofffilters ist auf einmal wie wild Diesel irgendwo rausgesprudelt. Dieselpumpe defekt! Da die Werkstatt nur für niedrige Fahrzeuge Platz hatte, wurde ein Abschleppwagen organisiert, der uns in eine große Halle gebracht hat.

Und da wird er nun repariert. Er hat bisher so tapfer durchgehalten, dass uns das gar nichts ausmacht. Er kriegt jetzt nochmal ne Generalüberholung und dann hoffen wir, dass er uns bis nach Hause bringt.

Zeitgleich warten wir auf das russische Visum, das wir morgen im Idealfall bekommen. Und ich muss wirklich sagen, dass es Schlimmeres gibt, als sich in Almaty die Zeit vertreiben zu müssen.

Es ist mit weitem Abstand die schönste und angenehmste Stadt Zentralasiens … aber davon mehr an einem anderen Tag zu einer anderen Zeit.

Unser aktueller Standort: Almaty

Heimreise Etappe 1: Von Australien nach Papua in das Baliem Valley

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Point of return – nach 250 Tagen fernab der Heimat machen wir am südlichsten Punkt unserer Reise die endgültige Kehrtwende. Wir fliegen von Perth (Westaustralien) nach Papua (Indonesien), womit auch der östlichste Punkt erreicht wäre. Von nun an geht es langsam aber sicher nach Hause.

Nach Papua zu reisen, war ein sehr lang gehegter Wunsch von mir. Das, was ich über die Ureinwohner in Dokus gesehen und in Büchern gelesen habe, wollte ich nun einfach mit eigenen Augen sehen.

Ausgangsort ist Wamena, die „Stadt der Schweine“, die sich im Hochland des Baliem Valleys befindet und bis heute nur mit dem Flugzeug zu erreichen ist. Rings um das Tal sind die Stämme der Dani angesiedelt, einige der letzten Urvölker dieser Erde. Sie wurden erst vor 80 Jahren „entdeckt“ und leben seitdem zwischen Tradition und dem „zivilisierten Leben“, das ihnen christliche Missionare nähergebracht haben. Nächstenliebe statt Konfliktlösung mit Speeren oder Pfeil und Bogen, eine positive Entwicklung (wenn ich auch sonst nichts davon halte, jemandem einen Glauben aufzuzwingen).

Schweine haben einen sehr hohen Stellenwert für die Dani, daher schätzen wir uns glücklich, dass wir an einem Tag an einer traditionellen Schweineschlachtungszeremonie teilnehmen können. Anlässe sind normalerweise Hochzeiten, Initiationsriten (z.B. wenn ein Junge in den Kreis der Männer aufgenommen wird) oder eine Versöhnung nach Streitereien. Da Touristen wie wir aber nicht immer darauf warten können, dass so ein Anlass eintritt, feiern die Dani ihr Schweinefest auch mal außerplanmäßig – gegen eine kleine Spende versteht sich. Denn merke: Schweine sind sauteuer.

In Sachen Nasenpiercing sind uns die Dani definitiv voraus.

Die Nackedeis heißen uns willkommen. Man beachte auch die Penisköcher an den Männern im Hintergrund.

Zur Begrüßung gehören Gesänge und Tanz. Mir schien das Ganze zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt – im Gegenteil!

Nachdem das Schwein durch Pfeil und Bogen getötet und zum Braten im Erdofen verschwunden ist, genehmigt sich der Dorfchef eine Zigarette …

… und die Frauen auch.

Wir haben natürlich auch Fotos vom lebendigen und später dann toten Schwein, aber mich haben die Menschen viel mehr interessiert! Diese Dame hat bspw. nicht mehr alle Fingerglieder, weil sie sie sich hat abhacken lassen – aus Trauer über verstorbene Familienmitglieder! Eine Praxis, die bis heute üblich ist.

Kleiner Dani im dunkeln Inneren einer Hütte. Strom gibt es nicht, und das Feuerholz ist rar und kommt erst abends zum Einsatz.

Schon das kleine Mädchen trägt ein Netz aus Maschengewebe am Kopf. Bei den Dani tragen die Frauen traditionell Lasten die Berge hoch und runter. Es ist aber auch ein ganz schöner Kopfschmuck.

Mädchen und Frauen haben relativ androgyne Gesichtszüge, manchmal ist es schwer zu sagen, wer ein Mädchen oder ein Junge ist.

Im Erdofen, in dem das Schwein gebraten wurde, wurden auch Süßkartoffeln mitgegart und später gegessen.

Abschied nach der Schweinezeremonie

Die darauffolgenden Tage haben wir einen Guide und 3 Porter angeheuert, was lange Verhandlungen mit sich brachte. Astronomische Preise. Zuerst wollte er für 3 Tage/2 Nächte 10 Millionen Rupiah, was etwa 600 Euro entspricht. Geht’s noch? Und auch, obwohl wir gesagt haben, dass wir keine Porter brauchen, hat der Guide darauf bestanden. In Nepal sind wir damals ganze 138km alleine und mit jeweils 10kg Gepäck gewandert, und jetzt das? Naja. Am Ende bezahlen wir um die 350 Euro und müssen lachen, als der „so unverzichtbare“ 3. Porter schon am zweiten Morgen wieder absteigt, weil wir nun angeblich durch ein Gebiet wandern, mit dem sein Stamm verfeindet ist. Aha. Ich vermute, eines dieser fantasiereichen Märchen, für die die Indonesier bekannt sind. Money rules the world … denn bezahlen mussten wir den Porter natürlich trotzdem für 3 Tage.

Wie auch immer, wir sind dann also zu Bergdörfern gewandert, was sehr schön und sehr authentisch war. Die Franzosen Laure und Adrien waren perfekte Wegbegleiter.

Das Baliem-Tal

Happy to have Laure with me, my female companion. Merci beaucoup!

Zubereitung des Abendessens in der Holzhütte auf offenem Feuer. Ringsherum Stroh. So manch ein Westler würde hier einen Schreikrampf kriegen – aber es ist wirklich nichts abgebrannt.

A perfect match!

Papua war ganz schön viel neuer Input, vor allem, da wir kurz zuvor noch in Australien waren, einem westlichen Land, in dem vieles war, wie daheim. Allerdings muss ich gestehen, dass Westaustralien in einigen Gegenden deutlich abenteuerlicher war, als ich erwartet hätte! Steffen hat großes Interesse daran, die abgelegensten Orte dieser Welt aufzusuchen, und so kamen wir nach Gnaraloo – einem Top-Surfspot für Windsurfer, die in die Wellen wollen.

Die Waschbrettpisten dorthin haben mich schwer an die grausamen Straßen von Tadschikistan erinnert, bei denen man innen im Auto das Gefühl hat, man erlebt ein Erdbeben der Stärke 10. Wenigstens handelte es sich hier aber nur um Stunden (nicht um Tage), in denen man durchgeschüttelt wurde. Und wie so oft … lohnten sich die Strapazen. Gnaraloo ist ein magischer Ort!

Gnaraloo, Westaustralien

Die beste Hütte auf dem Gelände des „3-Mile-Camp“ bei Gnaraloo

Spaziergang mit Nana und Chris (alte Freunde, die schon vor 10 Jahren so schlau waren, den Bodensee gegen den Indischen Ozean einzutauschen) auf die Riesendüne zum Sonnenuntergang

Wusste nicht, dass es Kängurus auch am Meer gibt!

Ich wusste so vieles nicht, bevor ich hierher kam, so auch nicht, dass es neben dem allseits bekannten Great Barrier Reef an der Ostküste auch das Ningaloo Reef an der Westküste gibt – und wie schön, dass ich hier mit Nicht-Taucher Steffen mit Walhaien und Mantas schnorcheln gehen konnte!

Pinnacle Desert

Auf dem Rückweg vom Ningaloo Reef nach Perth sind wir noch durch diese Wüste gekommen, um wenigstens noch etwas Sightseeing zu betreiben. Und wir haben natürlich auch noch ein paar andere Sachen gesehen, aber vielleicht sprengt das den Rahmen hier so langsam.

Sonnenuntergang am Uluwatu in Bali – hier machen wir einen kurzen, erholsamen Zwischenstopp, sowohl vor als auch nach Papua.

Ja, so sieht’s aus. Viel erlebt. Nicht nur unsere digitalen Speicherkarten sind voll, auch unsere mentalen. Ursprünglich wollten wir von Papua noch nach Papua-Neuguinea … aber es fehlt die Kraft, diese schwierige Gegend jetzt noch zu bereisen, und abgesehen davon ist dort auch noch Regenzeit. Insofern … sei’s drum.

Wir haben uns auf der Trekkingtour eine Erkältung eingefangen, teils durch das kühle Wetter, teils durch das viele Händeschütteln mit den Einheimischen oder das Spielen mit den Kindern, die eigentlich alle eine Rotznase haben. So verweilen wir nun noch ein paar Tage auf Bali, um gesund zu werden.

Nächste Woche geht dann der Flug nach Bischkek in Kirgisistan, wo wir hoffentlich unser Wohnmobil in gutem Zustand antreffen und die 2. Etappe der Heimreise beginnt …

Die Unterwasserwelt von Raja Ampat in Westpapua

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Heute kommt, wie in „Die wundervolle Inselwelt von Raja Ampat“ angekündigt, noch ein kleiner Nachtrag zur dortigen Unterwasserwelt. Quietschbunt und quicklebendig geht’s im Reich der vier Rajas zu, absolut sehenswert!

Die Manta Cleaning Station „Manta Sandy“, die ziemlich nah bei der Insel Arborek liegt, wurde zwar nicht von einer riesigen Schule von Mantas heimgesucht, so wie das in Mikronesien der Fall war, aber dafür habe ich zum ersten Mal schwarze Exemplare und auch ‚ozeanische‘ gesehen – sie können eine Spannweite von 7m erreichen.

Das zweite Video entstand am „Cape Kri“, nahe Kri Island. Das liegt etwa eine Bootsstunde entfernt von Arborek Island. Hier schwamm so allerlei durchs Wasser. Das reinste Wimmelbild! Die Sicht war leider mäßig gut an jenem Tag. Oder vielleicht bin ich mittlerweile auch nur etwas verwöhnt 🙂

Sorry auch für das Lied, das ich schon in einem anderen Video verwendet habe. Alles etwas schwierig mit nem kleinen Tablet, minimalistischen technischen Bedingungen und einer frauenfreundlichen ergo sehr einfachen Videobearbeitungs-App.

Das dritte Video darf man mit ein bisschen Humor nehmen.

Alles in allem zeige ich euch hier wirklich nur einen winzigen Teil dessen, was Raja Ampat zu bieten hat. Es gab noch viele andere schöne Szenen unter Wasser und echt abgefahrenes Viehzeug. Teppichhaie hab ich, zum Beispiel, auch zum ersten Mal hier gesehen. Aber das Durchschauen aller Clips hat meinen Arbeitsspeicher zum Erliegen gebracht.

11 Tauchgänge waren nicht genug, um diesem Gebiet gerecht zu werden. Ich werde definitiv wieder hierher zurückkommen. Es ist nur eine Frage der Zeit … und dann nehm ich statt ner GoPro 4 eine gescheite Kamera, einen großen Laptop samt Videobearbeitungssoftware und einen Stromgenerator mit. Ich schwör.

Und dann? Nun … dann gibt’s NOCH MEHR unnütze Fischvideos. Freut ihr euch schon?

😉

Take care, folks. And take life easy. And now watch the videos again, it’s funnier than going back to work.

Und herzlichen Dank an Petra B., die mir dieses Pygmäenseepferdchenfoto zukommen ließ.

Die wundervolle Inselwelt von Raja Ampat

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Während ich diesen Blogeintrag über meine 10 Tage in „Raja Ampat“ (West-Papua) schreibe, brennt draußen bereits die australische Sonne erbarmungslos auf unseren Campingplatz nieder. Seit etwa einer Woche ist das Duo Infernale wieder vereint und düst in einem Campervan die Westküste Australiens hoch und runter!

Der Campingplatz gesteht einem nur 500 MB über eine echt lahme WiFi-Verbindung zu, daher wird es heute eher ein mickriger Bericht über „Raja Ampat“, die Inselgruppe, die sich nordwestlich des Festlandes von Papua (indonesischer Teil) befindet.

Vor 2 Stunden noch war ich ambitioniert, hier ein paar neue Tauchvideos hochzuladen, aber es ist aussichtslos, also gibt’s heute leider nur ein paar popelige Handyfotos von der Insel selbst und einen einzigen Screenshot vom Fisch.

Die Anreise nach Raja Ampat ist lang, selbst von Jakarta aus fliegt man noch gut 4 Stunden bis nach Sorong, von wo aus es weitere 3 Bootsstunden bis auf die Insel Arborek waren. Ahnend, was kommen würde, hab ich mir in Jakarta dann glatt nochmal das Ibis Styles Airport Hotel für eine Nacht gegönnt. Für nicht mal 40 Euro … da kann selbst der Schwabe nicht meckern (und vor allem nochmal eine saubere Dusche genießen).

Ich kann nicht nur Bambushütte.

Ankunft auf der Insel Arborek irgendwo im Nirgendwo

Außer Tauchern verirrt sich kaum einer hierher, man lebt bei Familien in einem sehr rustikalen Homestay und bekommt ein Palmblätterdach über den Kopf sowie drei einfache Mahlzeiten am Tag. Im „Manta Homestay“ haben sich die Besitzer Normansen und Alfonsia rührend um mich gekümmert. Ich war 3 Tage der einzige Gast.

Mein Bungalow im Manta Homestay

Die Insel Arborek lässt sich in 30 Minuten erkunden. Ich schätze, hier leben 10 Familien, davon betreiben 6 Homestays, dann gibt es noch zwei winzige Shops und ein klitzekleines Tauchcenter.

Hauptweg auf Arborek Island. Keine Autos, dafür Kinder, die mit Murmeln im Sand spielen.

Die örtliche Bücherei, in die ich verschleppt wurde. Die Einheimischen sind stolz auf ihre Inseln (Ampat bedeutet „Vier“).

Jedes Jahr versuchen Taucherverbände, eine Top Ten der besten Tauchplätze weltweit zu erstellen. Sie variiert von Website zu Website … aber Raja Ampat rangiert derzeit bei vielen auf Platz 1. Vielleicht kommen wir bald in eine Gegend, in der schnelles Internet mir ermöglicht, euch einen besseren Einblick in die Unterwasserwelt zu geben. Für heute muss leider dieser Screenshot genügen.

Neben großen Schwärmen von kleinen Fischen gab es auch hier zu meiner großen Freude kleine Schwärme von großen Fischen … den Mantarochen. Ich bin schon ein bisschen vernarrt in diese Tiere und immer wieder beeindruckt von ihrer Anmut. Zwar waren es hier in Raja Ampat nicht so viele auf einmal, wie in Palau in Mikronesien – aber dafür kamen sie mir sehr, sehr nahe. Wirklich ein Traum.

Der Manta war bei weitem nicht alles, was es zu sehen gab.

Eigentlich gäbe es noch so viel mehr zu zeigen, aber was will man machen ohne vernünftiges Internet!? A pain in the ass. Und abgesehen davon finde ich einfach, dass dieser „Friends-And-Family-Blog“ hier einigermaßen aktuell sein sollte, daher lieber das hier, als gar nix.

Für heute liebe Grüße von der Westküste Australiens – diesmal auch von Steffen. Er war der Hauptgrund, weshalb ich die Zeit in Raja Ampat deutlich heruntergekürzt habe.

Das ist schon eine verdammt abgeschiedene Gegend, und mir war einfach nicht mehr nach Alleinereisen. Wie gut, dass wir flexibel sind.

Bald also hoffentlich mehr von mir, von den Fischen oder unserem Roadtrip in Australien …

We will see.

Update einige Wochen später: Kurzes Video von Arborek Island

Koh Phangan heute und vor 17 Jahren … und ein bisschen Heimweh

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Zeit an sich ist weder greifbar noch sichtbar, wir erkennen ihre Existenz nur daran, dass Dinge sich verändern.

17 Jahre sind eine lange Zeit. Konnten wir damals diesen einen, wunderschön abgelegenen Strand an der Ostküste Koh Phangans nur per Boot oder durch eine 1-stündige, völlig kranke Fahrt über Steilhänge mit einem Jeep erreichen, so ist es heute eine betonierte Straße, die dorthin führt.

Gute Straßen führen dazu, dass sich das Publikum ändert. Deutlich mehr junge Familien mit Säuglingen und Kleinkindern genießen heutzutage diese einst abgeschiedene Bucht, als damals.

Ein internationales Krankenhaus ist ebenfalls auf Koh Phangan, und es gibt auch sonst so ziemlich alles, was man braucht, wenn man seine Komfortzone doch nicht ganz verlassen möchte.

Was mir aber trotz der vielen Touristen an Thailand gefällt, ist wohl das, was man einen „guten Vibe“ nennt. Irgendetwas schwirrt durch die Luft, was einem gefällt, ich kann nicht genauer beschreiben, was mich anzieht.

Im Alter von 22 Jahren war ich zum ersten Mal hier und musste einfach immer wieder zurück.

Ich habe über die Jahre vom Hippie-Dorf „Pai“ ganz im Norden bis zur Insel „Koh Lipe“ im Süden vieles gesehen und erlebt. Dschungelwanderungen und -Floßfahrten, Elefantenritte, Hill Tribes, Bergdörfer, Pagoden, Tempel, Inseln, Tauchsafaris …

Alles zuhause in Form von Dias dokumentiert. Also wer Bock auf ’nen Dia-Abend hat, möge sich melden.

Mein 4. Besuch jetzt, war eher ein kleiner Nostalgie-Trip und ein bisschen „Urlaub im Urlaub“.

Und da ich zudem wusste, dass Freunde aus Deutschland dort sein würden, war dies ein Grund mehr, hinzugehen. Denn hier und da fehlen einem Weltenbummler dann doch auch vertraute Gesichter und Gespräche.

220 Tage ‚on the road‘ sind eine lange Zeit.

Zwischen Haien und Mantas in Mikronesien

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Es war damals in der 13. Klasse, 1998. Ich hab‘ mich mit Boris Koller darüber unterhalten, was wir so nach dem Abi gerne machen würden und gesagt, ich würde gerne mal auf eine Insel weit draußen im Ozean, vielleicht in Asien irgendwo. Er meinte: „Dann geh‘ doch nach Mikronesien.“ Aha. Mikronesien – where the hell is that? Und nun, 20 Jahre später, bin ich hier. Irgendwo zwischen Asien und Amerika, grob gesagt. Mitten im Pazifik, auf der winzigen Insel „Palau“. Vermutlich wäre ich auch selbst irgendwann mal auf dieses Reiseziel gekommen, aber der Boris, wenn er auch ein arroganter Typ war, war uns allen halt immer ein wenig voraus …

Interessant fand ich schon die Einreise am Flughafen. Hier musste ich unterschreiben, dass ich dieses „Paradies“ auch wirklich bewahre und ihm keinen Schaden zufüge.

Und das Visum ist ein Stempel mit einem „Eid“, den man schwört. Ich hab fast angefangen zu heulen, so sentimental hat mich das gemacht (morgens um 3 Uhr und völlig übermüdet). Wo war ich nur gelandet?

Um zu beschreiben, was ich hier erleben durfte, gibt es eigentlich nur ein Wort: Wahnsinn. Es ist einfach der Wahnsinn hier, was man hier unter Wasser erleben kann, wenn man zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Ich hatte wirklich ein Riesenglück, und das vor allem an den beiden ersten Tagen. Mir war ziemlich schnell klar, dass die nachfolgenden Tauchgänge deutlich weniger spektakulär ausfallen würden. Ich bin es gelassen angegangen. Vielleicht kommt noch was, vielleicht auch nicht. Tauchen ist, wie Lotto spielen … 18 Mantarochen und 100 Haie schwimmen halt nicht immer ums Eck.

Da mein lieber Ehemann sich derzeit in Australien rumreibt, musste ich mich ganz alleine mit der Technik auseinandersetzen. Aber irgendwie hab ich’s hingekriegt, dass ein paar Videos entstanden sind. Ich kann euch sagen, es ist erstens sauschwer, unter Wasser ruhige Aufnahmen zu machen und zweitens sehr zeitaufwändig, sie dann zu bearbeiten.

Tausend Clips durchschauen, kürzen, rausschmeissen, doch wieder rein, Musik dazu, Übergänge, Untertitel … pfff … für 2 Minuten sitzt man da locker mal 6 Stunden dran. Anyway. It’s done. Ich hoffe, es läuft. Und ich hoffe, ich habe im Wirrwarr der tausend Dateien die richtigen hochgeladen 🙂

Tag 1 „Blue Hole“ und „Blue Corner“ – da waren die Haie:

Tag 2 „German Channel – da waren die Mantas:

Tag 3 „Siaes Corner“ – da war allerlei unterwegs und Bombensicht:

Von den 16 Tauchgängen waren 4 der Wahnsinn, weitere 4 gut. Der Rest war mittelmäßig oder auch schlecht, denn Mutter Natur hat eben auch ihre Launen. Das weiß jeder Taucher.

Palau ist auch ein wenig teurer als unsere bisherigen Länder. Wir haben meistens zwischen 10 und 25 Euro für ein Doppelzimmer bezahlt. Hier sind es nun 32 Euro für ein Bett im 4er-Zimmer! Aber es gibt ne große Küche hier im (einzigen) Hostel und ich mach mir mein Frühstück und Abendessen selber.

Das Tauchen kostet auch dreimal so viel, wie üblich – aber dafür sieht man halt auch zehnmal so viele Fische! Jedenfalls ist Palau kein Ort, an dem man einfach mal einen Monat abhängt, und daher war ich „nur“ 12 Tage hier.

Ich bleibe noch einen Tag hier, an dem ich nicht unter Wasser gehe, denn man darf nicht tauchen und fliegen an ein und demselben Tag, wegen der enormen Druckunterschiede. Ich verabschiede mich aus dem kleinen Paradies und lege einen kurzen Besuch in Thailand ein, mir ist mal wieder danach.

Children of Palau,

I take this pledge,

as your guest,

to preserve and protect

your beautiful and unique

island home.

I vow to tread lightly,

act kindly and

explore mindfully.

I shall not take

what is not given.

I shall not harm

what does not harm me.

The only footprints

I shall leave are those

that will wash away.

Von der Schwierigkeit, auf den Philippinen den Massen zu entgehen

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Als das letzte Boot gegen 15 Uhr von der Insel ablegt, schauen wir ihm noch eine Weile nach, bis es am Horizont verschwindet. Endlich sind alle anderen weg. Und zwar wirklich alle! Zurück bleiben 6 Filipinos, die hier leben, und wir. Kein anderer Tourist bleibt über Nacht mit uns hier auf „Banana Island“ – obwohl es ein paar Hütten zu mieten gibt. Wie kann das sein?

Ruhe kehrt ein auf Banana Island, nachdem die Tagestouristen endlich weg sind.

Die Sonne geht langsam unter, wir setzen uns an den feinen, weißen Strand. Unendlich viele Schwärme von kleinen, silbernen Fischen springen aus dem Wasser und wieder hinein. Wir schwimmen zu einer Plattform raus und staunen über das kristallklare Wasser unter uns, sehen Löwenfische, Riesenmuscheln und vieles mehr. Ein paar einheimische Jungs fahren mit ihrem Boot vorbei, laden ein paar Kokosnüsse ab und amüsieren sich über unser zweisames Dasein auf der Plattform. Sie sind den Anblick großer Gruppen gewohnt, aber nicht diesen.

Die kleine Plattform am Westufer von Banana Island

Als es dunkel wird, dürfen wir uns in der Küche der freundlichen Filipinos Wasser heiß machen, für unsere Instant-Nudeln, denn ein Restaurant gibt es hier nicht. Wir sind Selbstversorger. Sind mit 8 Liter Frischwasser sowie Haferflocken, H-Milch, Obst, Keksen und dergleichen angereist und haben uns auf dieser Insel aussetzen lassen.

Am nächsten Morgen stehen wir bei Sonnenaufgang auf und schnorcheln ganz alleine das riesige Korallenriff ab, nur ein paar Fischer sind auch schon unterwegs. Gegen 11 Uhr werden die nächsten Touristen ankommen. Wir haben nur 20 Stunden hier – aber von denen genießen wir wirklich jede Minute, sie sind das, was wir viele Wochen gesucht, aber erst ganz am Ende gefunden haben.

Der hier vorherrschende Tourismus hat uns ganz und gar nicht zugesagt. Das ist auch der Grund, warum ich mich erst jetzt melde – ich wusste schlichtweg nicht, was ich schreiben sollte. Alles schien so uninteressant … Da wir ziemlich viele Stationen hatten, werde ich jetzt einfach chronologisch schildern, wie es uns wo ergangen ist.

Die Stadt Cebu (6. – 9. Januar) … gefällt uns eigentlich ganz gut, besonders der Abend in der versifften Karaokebar, bleibt eines der wenigen authentischen „philippinischen“ Erlebnisse.

Die Insel Siargao (10. – 18. Januar)… haben wir völlig falsch eingeschätzt. Neo-Kolonialimus herrscht vor, es gibt mehr Pasta und Burger, als anderes Essen. Und mehr Touristen, als Einheimische (siehe letzter Blogeintrag). Rückblickend werden wir aber nach 7 Wochen erkennen, das Siargao gar nicht so schlecht abgeschnitten hat und tatsächlich zu den entspannteren Orten gehört! Das Wetter ist eine Katastrophe. Dauerregen.

Weiterfahrt mit Schiff und Bus durch Mindanao (19. – 20. Januar) … war super! Kein weißes Gesicht unterwegs, allein als Tourist auf dem Schiff und im Bus, nette Gespräche mit den Einheimischen. Ich statte mich mit neuem Regencape und -schirm aus, weil meine Regenjacke mittlerweile im Rucksack Schimmel angesetzt hatte.

5 von 7 Wochen mein tägliches Outfit auf den Philippinen

Die Insel Camiguin (20. – 26. Januar) … strahlt Ruhe aus. Es ist wenig los, allerdings fehlt es auch an schönen Badestränden (Vulkaninsel, schwarzer Sand). Dennoch erlebe ich hier unter Wasser ein unfassbar schönes Korallenriff. Mir schwant, ich habe zuvor noch nie ein intaktes Riff gesehen und flippe unter Wasser völlig aus. Ich tauche durch einen überdimensionalen, psychedelisch anmutenden Blumenladen, der Formen und Farben aller Art zur Schau stellt. Oberknaller!!!

Sonstige Aktivitäten sind mäßig vorhanden. Lächerliche Wasserfälle und heiße Quellen werden als „Attraktion“ verkauft, für die man Eintritt bezahlen muss. Der Name „The Island Born of Fire“, den sich ein gewiefter philippinischer Tourismusminister ausgedacht haben muss, klingt dramatischer, als es ist. Steffen besteigt am einzigen sonnigen Tag mit einem Guide und drei anderen zusammen den höchsten Vulkan. Das anhaltend regnerische Wetter schlägt uns langsam auf’s Gemüt.

Der höchste Vulkan auf Camiguin

Die Insel Bohol (26. – 30. Januar) … bietet im Inneren recht viel Dschungel. Wir buchen also eine Hütte genau dort und erfahren, dass man sie am besten über den Loboc River mit dem Boot erreichen kann.

Der Loboc River auf Bohol

An der Bootsanlegestelle warten wir auf unseren Bootsmann. Plötzlich fährt ein größeres Boot vorbei, mit vielen Touristen an Esstischen darauf. Ein drittklassiger Alleinunterhalter macht Musik. Ich finde es lustig. Noch. Als wir in unserer Dschungelunterkunft ankommen, stellt sich heraus, dass die Boote jeden Tag den Fluss rauf und runter schippern, als ‚floating restaurants‘, richtig schön laut. Schlechte Musik und Motorengeräusche statt Dschungelsound. Ein Alptraum für uns. Wenigstens geht das ganze nur von 11 bis 16 Uhr. Trotzdem sind wir entsetzt, dass es diese Touren überhaupt gibt. Wäre es nicht stilechter, mit einem Kanu hier durchzurudern?

Eine weitere Enttäuschung ist die „Glühwürmchen-Tour“. Im Reiseführer stand, dass ein Typ uns hier zu Glühwürmchen führen kann. Ich dachte, das ist einer, der halt weiß, wo sie sich verstecken. Dass man ein bisschen durch die Gegend läuft und sie dann findet. Weit gefehlt! Mit lauten Booten werden Scharen von Touristen jeden Abend durch die Mangroven gefahren, um die Glühwürmchen zu sehen. Auch das hatten wir uns anders vorgestellt. Selbstverständlich machen wir den Scheiß nicht mit.

Ein winziges Highlight gab es auf Bohol aber doch: der niedliche Koboldmaki! In einem Schutzgebiet im Wald kann man den kleinen Primaten bestaunen. Wenigstens etwas.

Dieser Koboldmaki hat auch ein bisschen Regen abbekommen …

… und der hier ist ein bisschen schüchtern.

Bohol wurde in ein Ziel für den abenteuerscheuen, unselbstständigen Touristen verwandelt, der sich gerne Gruppen anschließt, irgendwo abgeholt wird, die Aktivität hinter sich bringt, und dann wieder am Hotel abgesetzt wird. Überall steigen Touristenmassen aus Bussen aus und wieder ein. Wir fetzen mit dem Roller über die Insel, sind schockiert, schämen uns fast, dass wir mittendrin sind.

Warnschild auf Bohol. Das sagt eigentlich alles …

Den Tiefpunkt erreicht unsere Stimmung, als wir mit dem Roller am „Alona Beach“ stoppen. Ein weiterer Alptraum. Ballermann-Verschnitt. Hässliche Bars, aus denen schlechte Musik dringt, sonnenverbrannte Urlauber, mittelmäßiges westliches Essen … und 50 Boote direkt am Strand, die darauf warten, täglich 500 -1000 Taucher unters Wasser zu befördern. Chinesen und Koreaner allen voran.

Ja … natürlich gibt es auch auf Bohol noch „unentdeckte Strände“, aber allein zu wissen, dass wenige Kilometer weiter der Urlaubsmob wohnt, schmälert den Genuss. Da auch der Regen weiterhin anhält, beschliessen wir, sehr weit hoch in den Norden der Philippinen zu fahren, um das „Achte Weltwunder“ zu sehen.

Die Höhlen und Hängenden Särge von Sagada (31. Jan. – 2. Feb.) … sind 10 Stunden mit dem Bus von Manila entfernt. Wir hoffen, dass die lange Anfahrt in diese „Gebirgsregion“ den einen oder anderen Touristen abschreckt. Weitgehend ist es auch so. In Sagada gefällt es uns ganz gut. Es ist kühl, die Häuser ähneln von innen Blockhütten, und da die Filipinos gerne amerikanische Country-Musik hören, kommen wir uns vor, wie in Kanada.

Wir machen eine Höhlenwanderung, die sich als Riesenspaß entpuppt und uns sehr gut gefällt. Die Höhle ist gigantisch, gar kathedralenartig und schwer zugänglich, der Guide in diesem Fall absolut notwendig. Oft müssen wir uns Fuß voraus durch enge Löcher zwängen, an Seilen senkrechte Wände hochklettern, auf allen Vieren krabbeln oder durch tiefe Flüsse und unterirdische Seen waten. Sehr empfehlenswert! Es sind auch hier einige, große Gruppen asiatischer Touristen unterwegs – allerdings deutlich langsamer, als wir, so dass wir die Höhlenatmosphäre die meiste Zeit in Ruhe aufnehmen können.

Weniger freut uns an Sagada, dass wir für den kleinen Spaziergang zu den ‚Hängenden Särgen‘ ebenfalls wieder einen Guide nehmen müssen. Angeblich sei Vandalismus vorgekommen, und ein Tourist sei abgestürzt. Bei den Touristen, die ich hier sehe, glaube ich das sogar. Trotzdem nervt’s.

Man glaubt hier in Sagada, dass die Toten so noch ein bisschen die frische Bergluft und die Sonne genießen können und hängt die Särge an die Felswand. Sie sind so klein, weil man die Toten in Embryonalstellung bestattet.

Die Reisterrassen der Ifuago in Batad (3. – 7. Februar) …gelten als „Achtes Weltwunder“ und sind UNESCO Weltkulturerbe. Sie sind nur zu Fuß erreichbar. Noch. Straße ist im Bau. Es sind angenehme Mitreisende hier, die gern in der Natur sind. Nur hier und da verrirrt sich eine Touristin mit Plateau-Schuhen und Rollköfferchen auf den steilen Pfaden, aber da muss sie nun halt durch.

„Ramon’s Homestay“ ist urig, hat eine Veranda direkt über den beeindruckenden Reisterrassen. Mitreisende schauen uns zwar mit fragenden Augen an, warum wir hier ganze 4 Tage bleiben, aber daran haben wir uns schon gewöhnt. Genießer sind hier kaum unterwegs. Es geht mehr um anschauen, Foto machen, Selfie machen, weiterreisen.

Aussichtspunkt 1 über die gigantischen Reisterrassen der Ifuago

Was uns stört, ist die Tatsache, dass man selbst für lächerliche Spaziergänge durch die Reisterrassen oder zu Wasserfällen einen Guide buchen muss. Jeder 5.-Klässler würde diese „Wanderung“ bewältigen können. Am ersten Tag fügen wir uns noch, aber am zweiten ziehen wir einfach ohne Guide los.

Aussichtspunkt 2 (zu dem wir alleine und ohne Guide marschieren)

Ja, natürlich ist es eine schöne Einnahmequelle für die Guides, aber ich würde ihm eher 10 Dollar in die Hand drücken, damit er mich alleine gehen lässt. Hinzukommt, dass es mittlerweile mehr Guides hier als Reisbauern gibt und so einige Felder nicht mehr bewirtschaftet werden können. Das Ende vom Lied wird sein, dass die UNESCO diesem Ort den Status als „Weltkulturerbe“ aberkennt, weil die Reisfelder verschwunden sein werden.

Pandan Island (8. – 12. Februar) … ist für mich in erster Linie der Ausgangspunkt für Tauchgänge am Apo Reef, das weitere 2 Bootsstunden entfernt liegt. Die Anfahrt nach Pandan Island führt über die große Insel Mindoro. Hier trifft man kaum andere Reisende, das gefällt uns sehr gut. Pandan ist auch eher unbekannt, hier gibt es nur ein ‚Resort‘, das aber durchaus erschwinglich ist und sehr ruhig ist. Von hier aus mache ich am Apo Reef den bisher besten Tauchgang meines Lebens. So klares Wasser! Wie Trinkwasser. Viele, viele Haie, darunter auch ein Hammerhai, gibt es zu sehen.

Busuanga/Palawan (13. – 15. Februar) … erreichen wir per Schiff von Mindoro aus. Von Busuanga bzw. dem Städtchen Coron Town aus, kann man in den Calamian Island Archipel schippern. Das Problem ist nur, dass Taifunwarnungen herausgegeben worden sind und die Küstenwache keine Boote auslaufen lässt. Wir sitzen 3 Tage fest, bevor dann doch die „Tour A“ starten darf, weil sie nur bis zur nächsten kleinen Insel geht: Coron Island.

Anlegestelle auf Coron Island. Klar ist das hübsch und sehenswert, aber als wir eine halbe Stunde zurück zum Boot kommen, hat sich die Zahl der Ausflugsboote verdreifacht!

Wir fühlen uns gedemütigt, diese Schwimmwesten tragen zu müssen. Und der Witz, den unser lustiger Tourguide gemacht hat, nämlich dass der See zu 85% aus Süßwasser, 10% aus Salzwasser und 5% aus Urin bestehe, ist vermutlich keiner.

Die Island Escapade Tour in den Calamian Islands (16. – 17. Februar) … nutzen wir, indem wir uns mit der einen Tour absetzen lassen und uns mit der anderen Tour am Folgetag wieder mitnehmen lassen. Der Versuch, einen privaten Bootsmann anzuheuern, missglückte aufgrund der besagten Taifunwarnung. Nur große Boote durften raus.

Bulong Dos Island ist der erste Stop auf der Insel Escapade Tour. Im 10-Minuten-Takt legen hier Ausflugsboote an und ab. Der perfekte Ort zum Entspannen.

Banana Island ist der zweite Stop auf der Tour. Hier lassen wir uns aussetzen. Es ist wunderschön … (siehe Einleitung oben)

Am Folgetag werden wir wieder eingesammelt und steuern noch den dritten Stop an: Malpacua Island. Ebenfalls ein Traum … oder ein Alptraum?

Claudi alleine auf Busuanga (18. – 22. Februar) … weil Steffen mittlerweile in Richtung Australien zum Windsurfen unterwegs ist. Ich mache meinen längst überfälligen Advanced Open Water Diver Course, bestehe ihn auch, und kann nun beruhigt zu meinem nächsten Tauch-Ziel fliegen, das etwa 800km östlich der Philippinen liegt: Palau in Mikronesien. Vor unserer Abreise stand schon fest, dass ich dorthin gehen werde, und da es dort außer Tauchen kaum etwas zu tun gibt (und es zudem ziemlich teuer ist), hielten wir es für klüger, wenn jeder mal seinem Hobby etwas intensiver nachgeht … für ein paar Wochen.

Manila (22. – 23. Februar) … gefällt mir eigentlich ganz gut. Es ist authentisch, zeigt Reichtum wie Armut, Schönheit wie Dreck. Fast möchte ich sagen, dass ich hier gerne mehr Zeit verbracht hätte, aber den Flug heute Nacht nach Mikronesien möchte ich dann doch nicht verpassen.

Das LUB D. Hostel in Manila ist der Wahnsinn. Fühle mich eher wie in einem Designerhotel. Hier der Ausblick von meinem Zimmer im 9. Stock.

Alles in allem, waren es also nicht Land & Leute, die uns missfallen haben, sondern die sehr speziellen Touristen hier. Die Filipinos sind ein saucooler Haufen, sie sind so was von entspannt, lustig, hilfsbereit und respektvoll, man muss sie einfach gernhaben. Sie wären ein Grund, wieder zu kommen. Auch das Land ist eine wahre Schönheit. Die Natur ist intakt, die Unterwasserwelt der Wahnsinn, Umweltverschmutzung hält sich in Grenzen. Noch.

Ich denke, der Kontrast zwischen all den Ländern, die bereits hinter uns liegen, und diesem hier, war eben besonders krass. Spannend war das hier nicht. Es war einfach zu reisen, weil Englisch gesprochen wird. Die Religion war wenig faszinierend, weil vertraut. Das wirklich „Fremde“ hat gefehlt, aber das scheinen die meisten Reisenden, die hier sind, auch gar nicht zu suchen. Uns hat der Zirkus hier gelangweilt.

Ich komme zu dem Schluss, dass das hier einfach ein prima Urlaubsland ist, für jemanden, der sich um nichts kümmern möchte, gerne einem Guide hinterhertrottet und gerne vorgeschlagenen Aktivitäten folgt. Aber für uns … war’s irgendwie nix. Wir hatten einfach völlig falsche Erwartungen von den Philippinen, dachten, sie seien noch etwas unentdeckter und ursprünglicher.

Vielleicht hätten wir mehr Zeit an anderen Orten verbringen sollen … aber die Philippinen sind riesig und haben die Form eines explodierten Puzzles … wo also findet man die? Für Tipps sind wir jederzeit dankbar, dann kriegen die Philippinen vielleicht noch eine zweite Chance. Verdient hätten sie es.

Feuer, Fieber und Vulkane – Wir sind auf den Philippinen!

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„These fucking bastards. These fucking Filipino rice monkeys!“ – ich kann nicht glauben, dass ich das gerade gehört habe. Mein Eindruck von den Filipinos ist total positiv. Ich kann aber auch nicht glauben, was ich vor mir sehe: Die Hütte eines Engländers, der seit 6 Jahren auf den Philippinen – und 50m entfernt von unserer eigenen Unterkunft – wohnt, steht in Flammen! Wir gehen an jenem Abend recht früh ins Bett. Ich sag noch: „Irgendwas riecht komisch“, denke aber, dass in der Küche einfach was angebrannt ist, und leg mich hin.

So kann’s gehen, wenn man sein Land auf den Philippinen nicht freiwillig verkaufen will.

Gegen Mitternacht kreuzt die Feuerwehr auf, es ist schon alles zu spät. Nichts zu retten. Graham und sein Frau können nur noch zusammen mit uns Schaulustigen dastehen und zusehen, wie ihr Hab und Gut verschmort. Sie haben bei uns in der Bar gemütlich was getrunken, während 50m weiter ihre Hütte brennt. Graham scheint sich sicher zu sein, dass das Feuer gelegt wurde. Wir schweigen erst mal. Angeblich, so erzählt er, wollten einige Filipinos schon länger sein Grundstück kaufen, er hat aber verweigert. Und sehr taktvoll tauchen tatsächlich direkt am nächsten Morgen die Interessenten auf und fragen, ob er es denn nun hergibt! Komische Geschichte.

Auf der anderen Seite muss ich sagen, ist es doch wirklich nur eine neue Form von Kolonialisierung, die viele Westler hier betreiben und damit den Zorn der Einheimischen auf sich ziehen. Mit ein paar Euro, Pfund oder Dollar kann man hier so unglaublich viel kaufen! Bis der Filipino so viel gespart hat, ist sein Leben fast vorbei.

Ich war, ehrlich gesagt, entsetzt über den Bau-Boom auf der kleinen Insel Siargao, auf der wir seit dem 10. Januar sind. So viele Franzosen, Italiener, Deutsche, Engländer … alle machen sie ihre Hotels, Cafés und Restaurants auf, und die laufen dann ganz toll, und dann werden mehr gebaut und ruckzuck ist die Insel nicht mehr das, was sie war. Wer profitiert davon? Die Einheimischen? Wir waren entsetzt, als wir im Süden von Siargao ankamen. Wir hatten völlig falsche Erwartungen. Paar Surfhütten, 5 Restaurants, das war’s. Dachten wir. Es sind aber mindestens 50 Restaurants und 100 Hotels. Im Wochentakt werden es mehr! Ätzend! Es blieb uns nur eines …

* * * FLUCHT * * *

Roller gemietet, Insel erkundet, fündig geworden im Norden: der Bamboo Garden. Kaum Nachbarn, wenig los, schöner Strand, biologisch abbaubare Hütte. Wir packen das Moped und ziehen um.

Zwei große Rucksäcke, zwei kleine Wandergitarren, ein Surfbrett und ein Bodyboard UND wir beide selbst auch noch? Nee … ham’s eingesehen. Das geht nicht.

So treten wir die Flucht in den Norden getrennt an. Steffen auf dem Scooter, ich im Tuktuk mit unserem Gepäck.

Idylle! Grün. Reisfelder. NIX los, kaum ist man 1 Stunde Fahrt vom Touri-Hotspot weg. Hier und da ein paar Lichter. Ruhiger Strand, sauberes Meer. Total schön … und abends mal wieder Sterne sehen!

Die Milchstraße nicht ganz so gut erkennbar, wie vor 3 Monaten in Tadschikistan, aber immerhin ein bisschen!

„Bamboo Garden“ in Nord-Siargao, geleitet vom Georg (52) aus St. Pauli und seiner Braut aus Manila (26)

Allerdings bleibt der Tag, an dem wir die Insel ein wenig erkunden, einer der letzten schönen, sonnigen Tage. Es schifft und schifft und schifft.

Alles wird klamm, die Klamotten trocknen nicht mehr, alles müffelt. Nicht so toll. Zum ersten Mal friere ich (da lacht der Wicky jetzt, falls er das liest). Es ist auch nicht der übliche kurze tropische Schauer, sondern wirklich Regen von früh bis spät.

Überall tropft es im Bamboo Garden …

Die paar Wolken hier fanden wir noch richtig schön, im Krokodil-Schutzgebiet im Norden von Siargao. Aber es wurden immer mehr.

Wenn ich ehrlich bin, hatte sich das schlechte Wetter schon bei unserer Ankunft auf den Philipinen angekündigt. Wir sind am 5. Januar gelandet, und zwar nicht in Manila, sondern in Cebu. Sind 4 Tage in dieser Stadt geblieben, weil es einen guten Grund gab: das Wiedersehen mit Radelmann Tobi! Schon in Kasachstan und Tadschikistan haben wir uns gesehen, und nun hat er es über China und Taiwan bis hierher geschafft. Fahrrad immer dabei. Sensationelle Leistung! Und auch schön, dass er in Taiwan den lieben Tim besucht hat – einen alten Freund von mir, der so ne Art „offene WG“ hat [Facebook: Home 2 Community / Radelmann].

Radelmann Tobi Bausch – einer der letzten, wahren Helden unserer Zeit 🙂

Zusammen sind haben wir uns zu diesem Aussichtspunkt fahren lassen und so einen ersten Überblick über die Insellage bekommen. Und auch einen ersten Eindruck von der Wetterlage. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Abends haben wir zusammen in einem der zahlreichen Fastfood-Restaurants gegessen, bevor Tobi dann wieder zu seiner (entfernten) Verwandtschaft geradelt ist.

Steffen und ich sind in Cebu auch noch in einer Karaokebar tätig geworden. Nach 8 Bier haben wir immerhin noch 81 bzw. 86 von 100 Punkten erscort. „You are a very good singer!“, prangte es auf dem Bildschirm. Aber Hallo.

Die nette Karaokebar bei uns ums Eck

Unser Duett wurde ausgebuht („Ironic“ von Alanis Morrissette), aber solo („Sweet dreams are made of this“ / „Wonderwall“) gab’s netten Applaus.

Tags darauf, am 9. Januar, haben wir die 8-stündige Nachtfähre von Cebu nach Surigao genommen. Sie kam morgens um 3 Uhr an. Dann mussten wir die Fähre wechseln. Und von Surigao ging es dann um 5.30 Uhr weiter nach Siargao. Nochmal 3 Stunden.

Warten, bis die Nachtfähre ablegt

Und da waren wir dann vom 10. bis zum 18. Januar zusammen … bis heute.

Weil mir der Regen auf den Keks ging, das Bodyboarden im Monsun nicht so mein Ding ist und ich jetzt einfach tauchen will, bin ich mal eine Insel weiter gefahren. Unter Wasser ist mir ‚grad egal‘, was oben so los ist.

Ich bin also momentan alleine und vogelfrei und schau mal, ob irgendwo hier, ein paar Bootsstunden entfernt, besseres Wetter ist und ob man irgendwo schön tauchen kann.

Falls nicht … hmmm … dann müssen wir vielleicht ganz woanders hin. Es scheint gerade einfach keine gute Wetterlage und irgendwie generell keine gute Zeit hier. Ein Vulkan – der Mount Mayon – ist auch noch ausgebrochen, den wollten wir eigentlich besteigen. 21.000 Menschen sind geflohen. Andere wurden evakuiert. Und von einem Mädel weiß ich, dass sie an Dengue-Fieber erkrankt ist, in Manila.

Zusammen mit dem abgebrannten Haus des Engländers, macht dies die Philippinen zu dem bedrohlichsten Reiseland, in dem wir bisher waren!

Wer hätte das gedacht.

Von Stuttgart nach Sri Lanka – Warum direkt fliegen, wenn man auch durch 19 Länder hierher reisen kann

Warum reisen wir, wie wir reisen? Warum haben wir nicht den Direktflug von Frankfurt nach Colombo genommen, sondern den Umweg über 19 Länder, die zwischen Deutschland und Sri Lanka liegen, gemacht und uns einige Monate für dieses Projekt Zeit gelassen? Nun … vor allem wohl deshalb, weil man etwas mehr durchschaut, wie die einzelnen Kulturen zusammenhängen. Wie sich manche Sitten und Bräuche von West nach Ost verbreitet haben und umgekehrt. Und auch, weil man mitbekommt, wie sich Klima und Landschaft allmählich verändern.

Das war zumindest der Fall, bevor wir dann in Neu Delhi beschlossen haben, Südindien zu überfliegen (haben wir 2011 schon 3 Monate bereist). Hier haben wir mal kurz den Großteil des Subkontinents „ausgelassen“ und das auch deutlichst gespürt: Als wir am 5. Dezember den schön klimatisierten Flughafen von Sri Lanka verlassen, trifft uns die Wucht der tropischen Hitze volle Breitseite. Ufff … von angenehmen 20°C in Delhi, nun ein Anstieg auf 30°C!

AB INS WASSER!

In Colombo besorgen wir uns im Spielzeugwarenladen für große Kinder ein Bodyboard, ein Surfbrett, Flossen, Taucherbrille und Schnorchel und machen uns tags darauf auf den Weg an die Südwestküste an einen feinen, kleinen Strand namens Delawella Beach. Und sieh mal an … direkt in der Lagune vor dem Haus schwimmen täglich eine Handvoll Riesenschildkröten! Und sieh mal an … direkt hier gibt es auch passable Wellen zum Surfen! Wir nisten uns 14 Tage bei Amal und seiner Familie ein, die ein kleines Guesthouse betreiben.

Schnorcheln mit der Kröte in der Lagune am Delawella Beach

Gemeinsamer Frühsport mit der Kröte

Delawella Beach bei ruhigem Meer

Habe mir eingestanden, dass ich beim Wellenreiten keine Wurst mehr vom Brot ziehe und bin auf Bodyboarden umgestiegen.

Irgendwann habe ich Geburtstag und bekomme eine sich drehende Lotusblüte aus Plastik, die „Happy Birthday“ dudelt und auf einem Schokokuchen steckt. Dazu einen Liebesbrief, ein handgezeichnetes Bild und eine Fußmassage. Tiptop!

Dezemberkinder freuen sich, wenn sie mal unter Palmen Geburtstag feiern dürfen!

Am Nachbarstrand werden Tauchgänge angeboten. Ich bin dabei. Kostet hier fast nix, also melde ich mich an. Der erste führt mich in 30m Tiefe zu einem Wrack, das seit 1874 da unten liegt. Die Sicht ist furchtbar schlecht, aber das Wrack an sich ganz cool und ein bisschen gruselig.

Das Wrack der im Jahre 1874 versunkenen S.S. Rangoon

Der zweite Tauchgang ist ebenso von sehr schlechter Sicht geprägt, aber schlechte Sicht bedeutet Plankton und Plankton bedeutet Manta. So sei es!

Tage, an denen man Mantas begegnet, zählen zu denen, die man nie vergisst. 

*** I LOVE MANTAS ***

Etwa  6km vom Delawella Beach entfernt liegt das Städtchen Galle, dessen große Festung zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Wir schlendern hier auf den Mauerruinen herum und auch in der kleinen Altstadt. Das eigentliche Highlight aber war für uns der „Crazy Jumper“ – dieser Typ springt von der Festungsmauer ca. 10m in das flache, nur 1m tiefe Wasser runter. Gegen Bezahlung durch sensationslustige Touristen.  Selbstverständlich haben wir nicht dafür bezahlt, dass der arme Kerl sich eventuell ’ne Querschnittslähmung holt. Wir fanden einfach seine Haare schön.

„Crazy Jumper“ am Fort in Galle

Nachdem die ersten 14 Tage am Delawella Beach vorbei sind, können wir uns so langsam auch mal wieder einen Ortswechsel vorstellen und halten auf einer kleinen Rollertour Ausschau nach Surfspots bzw. Surfspots, die an Stellen liegen, an denen auch eine eisgekühlte Latte Macchiato oder ein Banana Pancake für mich zu haben sind, während mein Ehemann exzessive Surfsessions auf dem Wasser durchlebt. Und vor allem einer, der NICHT an der Hauptstraße liegt (das ist für meinen Geschmack zu oft der Fall hier).

Irgendwo zwischen Galle und Mirissa an der Südwestküste

Am Ende einigen wir uns auf Mirissa und fahren satte 30 Minuten weiter nach Süden. Hier dasselbe Spiel wie am vorigen Strand. Planschen, schnorcheln, bodyboarden, surfen. Wir finden einen superschnuckeligen Bungalow am Rande des Dschungels, aus dem wir eigentlich gar nicht mehr ausziehen wollen.

Da freut sich der Schwabe! 8 Euro mit Terrasse, private bathroom und Dschungelblick.

Hübscher Kingfisher bei uns vor der Terrasse

Ich gehe hier auch einen Tag auf Whale Watching Tour und sehe tatsächlich 4 Mal den Blauwal auftauchen und nebenbei noch einen Schwarm von locker 30 Delfinen, einem 8 Meter langen Bryde Wal sowie zwei korpulierende Riesenschildkröten!!! Nur stelle ich auf dem Boot fest, dass ich meine Speicherkarte nicht in der Kamera (sondern daheim im Tablet) habe … arrrrrgh … wie dumm! Was für ein riesen Pech. Naja. Ganz ehrlich – man sieht vom Blauwal sowieso nur den Rücken.

Mirissa ist auch bekannt als Party-Ort. JEDE Nacht bumm, bumm, bumm aus 5 verschiedenen Strandbars gleichzeitig. Wir lieben ja elektronische Musik, aber nicht so! Schade um den Bungalow und die Latte Macchiato, aber wir halten es nicht aus und fahren wir weiter nach Madhiya.

Hier und in der Umgebung kommt dann auch endlich wieder ein recht netter Swell rein, der Steffen aufmuntert. Zwischendurch musste er eine mittelgradige depressive Episode durchleben, weil es für 2 Tage kaum Wellen hatte. Oh je, oh je, oh je … 48 Stunden kein Swell, das ist natürlich fürchterlich, geradezu lebensbedrohlich!!! Aber er hat es überlebt und wurde anderntags mit ganz netten Wellen beschenkt.

Steffen am Hirikitiya Beach

Stunden später

Jaaaa … so ungefähr haben wir den Dezember bisher auf Sri Lanka verbracht … und  so arg viel mehr gibt es auch nicht zu berichten. Wir haben uns der gepflegten Lethargie hingegeben, mit kleinen Ausflügen ins kühle Nass. Uns war so gar nicht nach Sightseeing oder größeren Ortswechseln. Irgendwann braucht das Gehirn auch mal Ruhe und nicht allzu viele neue Impulse. Und ich reise ja grundsätzlich nie mit der Angst, irgendetwas zu verpassen. Man kann ja wieder kommen. Nur beim nächsten Mal dann vielleicht doch mit dem Direktflug aus Frankfurt 😉

Wir machen uns morgen noch auf nach Nordwesten, nach Kalpitiya, für die Silvesterparty. Dort soll es auch Horden von Delfinen geben. Dieses Mal werde ich an die Speicherkarte denken und diesen Eintrag vielleicht nachträglich ergänzen. Guten Rutsch euch allen.