In 111 Tagen über Land zum Taj Mahal

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Nach 111 Tagen haben wir es über den Landweg von Taschkent in Usbekistan bis ans Taj Mahal in Indien geschafft. Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Hinter uns liegen 5 Länder, die wir zusammen von Grenze zu Grenze durchquert haben: Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan (mit dem eigenen Auto), China und Pakistan (mit öffentlichen Verkehrsmitteln).

Steffen hat noch ein paar Tage und Länder mehr auf dem Buckel, weil er ja vorausgefahren ist: Deutschland, Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Griechenland, Türkei, Georgien, Aserbaidschan und Kasachstan. Eine einzigartige Landkarte der ROUTE findest du UNTEN in diesem Eintrag.

Und nun sind wir seit 2-3 Wochen da, im Chaos. In Indien. Im Wahnsinn. Im größten Irrenhaus der Welt, wahlweise auch im größten Kindergarten der Welt. India, oh India … you’re driving me nuts! Und deswegen werden wir dich dieses Mal auch nicht durchqueren, sondern es bei deinen Highlights im Norden belassen.

Der Goldene Tempel in Amritsar bei Nacht, der von Sonnenaufgang bis -untergang täglich 80.000 Pilger empfängt.

Der Goldene Tempel der Sikh in Amritsar empfängt uns mit wohltuender Stille und beruhigenden Gesängen, denen wir – Schulter an Schulter mit den gläubigen Sikh – mit geschlossenen Augen lauschen. Mehrere Stunden!

Selfie-Maniac

Im Inneren des Tempels entkommen wir außerdem den lästigen Selfie-süchtigen Indern, die sowohl von sich, aber noch viel lieber mit uns non-stop Selfies machen. Und sagt man erst zu einem Ja, dann steht blitzschnell ein ganzes Bataillon von Indern mit Handys da und will auch eines haben. Was mir recht sinnfrei erscheint.

Sikh-Pilger beim Sonnenuntergang am Goldenen Tempel

Wir sind viele Tage am Tempel, zu unterschiedlichen Tageszeiten, und schauen uns das Treiben der 80.000 Pilger pro Tag an. Steffen nimmt an der Massenspeisung teil, während ich eher auf der Jagd nach schönen Fotomotiven bin.

Es geht dann irgendwann aber doch weiter, und zwar in die „neue“ Hauptstadt des Punjab in Nord-Indien. Die alte Hauptstadt – vor der Teilung Indiens – war Lahore und es musste eine neue her: Chandigarh.

Für euch ist das ein langweiliges Bild – für uns eine sehr besondere Oase der Ruhe im lautesten Land dieser Erde!!!

Der schweizer Star-Architekt Le Corbusier wurde beauftragt, diese gesamte Stadt zu planen und siehe da: kein Chaos, fließender Verkehr, grüne Parks und gute Luft. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte das kein indischer Architekt so hinbekommen. Eine Wohltat an Stadt.

Außerdem gibt es hier in Chandigarh die nach dem Taj Mahal zweitbeliebteste Attraktion Indiens zu sehen: den ‚Fantasie-Steingarten‘, der über Jahrzehnte hin aus Bauschutt und Abfallmaterial entstanden ist.

Sämtliche Architektur im ‚Fantasie-Steingarten‘ besteht aus altem und kaputtem Material (hier: zerbrochene Fließen)

Was aussieht wie Muscheln, sind alte Steckdosen.

Da hatte endlich mal einer die gute Idee, das Land ein wenig aufzuräumen und gleichzeitig Kunst entstehen zu lassen.

Am Abend fahren wir noch ein bisschen Tretboot über den See, den der Architekt – also der der gesamten Stadt – glücklicherweise miteingeplant hat, und schauen ein letztes Mal den netten Sikh in ihrer Freizeit zu.

Die Religion der Sikh ist als Gegenbewegung zum hinduistischen Kastensystem enstanden. Hier sind alle Menschen gleich – auch Frau und Mann sind gleichgestellt. Sehr sympathisch!

Und von Chandigarh fahren wir dann endlich mit dem Zug weiter zu unserer letzten „Über-Land-Station“: dem Taj Mahal. Mission ‚overland‘ complete!

Einen Vorgeschmack von dieser Pracht bekommen wir am Vorabend des eigentlichen Besuches ganz umsonst zu sehen, von einem Aussichtspunkt.

Taj Mahal

Um 5.50 Uhr am nächsten Morgen quälen wir uns aus dem Bett, weil wir zum Sonnenaufgang drinnen sein wollen. Zügig laufen wir zum Ticketschalter … aber … schon zu spät! Die Schlange ist jetzt schon endlos lang und wir verbringen den eigentlichen Sonnenaufgang in der Warteschlange!!! 1h45min dürfen wir anstehen. Tja, es ist wohl DAS Highlight Indiens, vielleicht auch eines der Welt, und es ist Wochenende… Nichtsdestotrotz ist es verdammt cool, mal hier zu stehen. Wow, was für ein Gebäude! Was für ein Park! Was für ein Grabstein!

An dieser Stelle Dank an Martin, den Südafrikaner, der dieses Bild gemacht hat und alsbald von Indien nach Afrika heimlaufen wird. Ja, zu Fuß! Ihr braucht nicht glauben, dass unser Trip in irgendeiner Weise „verrückt“ wäre. Es gibt noch ganz andere Spinner.

Und damit verabschieden wir uns in den wohlverdienten Urlaub auf Sri Lanka. Unser Hinflug geht am 5. Dezember. Wann und wohin der Weiterflug geht, das wissen wir – wie immer – noch nicht genau.

Wir brauchen jetzt wirklich ein wenig Idylle, Strand, Meer und Ruhe. Die letzten Stationen, hatten sie auch noch so schöne Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, waren allesamt asiatische Großstädte, und die sind wirklich kaum auszuhalten. Das Gehupe von 100.000 Mopeds, Autorickschas und anderen Fahrzeugen täglich hat uns fast in den Wahnsinn getrieben.

Aber, wie sagt man so schön: „Wo kein Schlamm, da kein Lotus.“

Und wer glaubt, dass sich auch nur ein einziger Inder an das Hup-Verbot gehalten hätte, der irrt …

Durch Berg und Tal in Pakistan

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Um ein Haar hätte die vorzeitige Vertreibung aus dem Wanderparadies Pakistan stattgefunden. Fenni Fex ist am Boden zerstört, als uns die Nachricht aus Kirgistan erreicht: „There’s a problem with you car. They want to renovate the parking area and you have to remove it – next week!!!“. Krisenstimmung. Ungewissheit. Wir bitten um Aufschub, denn wir haben nur ein single entry visa, und das bedeutet, dass wir zwar aus Pakistan aus- aber nicht wieder einreisen dürften. Nach einigen Tagen bekommen wir das OK, dass wir bis zum 15. November parken können. Wir atmen auf, und der Fex stapft los zu seiner heißersehnten mehrtägigen Gletschertour.

Bature Glacier Northern Pakistan

Sein Bergführer Akhter hat trotz seiner 50 Jahre ein ziemliches Tempo vorgelegt.

Da ich mich weigere, mitzukommen, werde ich der Unsportlichkeit und Faulheit bezichtigt. Stundenlang. Fennilein kann sich gar nicht vorstellen, dass man keine Lust hat, mit vollem Rucksack täglich 8 Stunden über Geröllfelder den Berg hochzulaufen, dort oben zu frieren, 4 Tage keine warme Dusche zu haben, geschweigedenn ein bequemes Bett, und sich von Instant-Nudelsuppe zu ernähren. Nur, um einen weiteren Gletscher zu sehen.

Batura Glacier Northern Pakistan

Lichtmalerei in der Einsamkeit der Bergwelt

Nun … is mir wurscht. Ich bleibe im Hotel. Als er mir nach seiner Rückkehr die Bilder seines Ausflugs zeigt, muss ich lachen … in Frauensprache übersetzt, muss es wohl einfach „Ich hätte dich gern bei mir gehabt“ geheißen haben.

Batura Glacier Northern Pakistan

Vollmondnacht am Batura Glescher (Nordpakistan)

Da hockt er dann und wärmt sich am Feuer!


Der Batura Gletscher … und sein ewiges Eis

Akhter ist der Besitzer des „Passu Inn“, der Steffen über das ewige Eis geführt hat. Ein super Typ und Guide!

Wieder vereint, treten wir die Reise Richtung Islamabad an. Der Karakorum Highway langweilt nicht.

Attabad Lake Northern Pakistan

Der Attabad Lake ist eigentlich kein See, sondern ein über Jahre hin aufgestauter Fluss. Durch einen massiven Erdrutsch kamen die Pakis so zu einer Sehenswürdigkeit mehr.

Hunza Valley Northern Pakistan

Bergdörfchen im Herbstkleid

Weiter geht’s durch die herbstliche Provinz Gilgit-Baltistan bis in deren Hauptstädtchen ‚Gilgit‘.

Rainbow Bridge Gilgit

Zwei kleine pakistanische Schönheiten bei der Regenbogenbrücke in Gilgit

Und schließlich treten wir eine elend lange Fahrt im Taxi bis nach Islamabad an. Fast 20 Stunden! Der Bus hätte 28 Stunden gebraucht…

Islamabad war cool, nur haben wir leider nicht viel gesehen, weil wir uns um den Rückflug nach Kirgistan sowie um das Visum für Indien kümmern mussten. Wir finden heraus, dass wir das Visum auch in Lahore beantragen können und ziehen weiter, denn Lahore hat den Ruf, eine ziemlich interessante Stadt zu sein.

Leider entpuppt sich Lahore wirklich als Albtraum, was die Luft und den Verkehr angeht. Es werden die 8 schlimmsten Tage der Reise. Die einzigen günstigen Unterkünfte liegen direkt an der Hauptstraße. Lärm von morgens bis morgens, ohne Pause.

Lahore Fountain Lightshow

Immerhin im Park von Lahore wird man zweitweise vom Verkehrschaos abgelenkt.

Und sonst gibt es schöne Moscheen zu bestaunen. Denn noch sind wir ja im Punjab, einem muslimischen Gebiet.

Mosque in Lahore

Die größte und schönste Moschee in Lahore, umrahmt von Smog

Es ist von hier aus ein Katzensprung zur indischen Grenze. Die weltberühmt closing-of-the-border-ceremony lassen wir uns nicht entgehen.

Closing of the border Pakistan India

Tja … bei dem Smog hat die Sonne es schwer, die Zeremonie der Grenzschließung zu erhellen.

Closing of the border Pakistan India

Patriotismus in seiner reinsten Form. Sogar der einbeinige Typ schwingt wie wahnsinnig die Nationalflagge.

Crossing from Pakistan into India

Zu Fuß über die Grenze von Pakistan nach Indien

Und wenige Tage später überquere ich ganz alleine eben diese Landesgrenze und reise nach Indien ein, während Steffen in Kirgistan unser Auto umparkt! So ist das eben manchmal. Vom südlichsten Punkt unserer Reise muss er nun zurück nach Bischkek, dem nördlichsten Punkt!

Wir treffen uns in ein paar Tagen wieder – in Amritsar (Indien) beim Goldenen Tempel …

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Ein kleines Schmankerl zum Schluss, für all diejenigen, die bis hierher gelesen haben. Chris aus England wohnte im gleichen Hostel in Lahore und verbringt seine Freizeit mit dem Erstellen von Video-Blogs. Zusammen mit ihm sind wir durch Lahore gefahren. Wirklich bizarr. Enjoy!

From heaven to hell

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+++ news +++ news +++ news +++ German couple likely to choke to death in Lahore due to heavy smog.

Wenn ich noch einmal höre, dass wir in Stuttgart ein Feinstaubproblem haben, dann flipp ich aus. So etwas wie hier habe ich in keiner anderen Stadt in Asien jemals erlebt. Welcome to hell.

Hier, so zum Spaß, 25 Sekunden als Timelapse (5 Minuten in Echtzeit):

Drohnenflug über den Pamir Highway in Tadschikistan 

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Man trifft viele witzige Leute auf so einem Trip, u.a. den lieben Bas aus Holland, von dem diese Doku stammt, in der auch wir in den ersten Minuten zu sehen sind. Sein Rad-Trip wird professionell dokumentiert und auf YouTube und dem Discovery Channel in Holland gezeigt.

Habe heute den Link von ihm bekommen, aber zeitlich gesehen handelt es sich hier um einen Nachtrag, da wir ja mittlerweile längst raus sind aus Tadschikistan … 

Von Kaschgar über den Karakorum Highway nach Pakistan

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Das Leben wir nicht gemessen an der Zahl unserer Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben…

Dieses Mal gibt’s wenig Text, was dem einen oder anderen lesefaulen Freund durchaus entgegen kommen dürfte. Enjoy!

Bulunkul – „Der grüne See“ südlich von Kaschgar (West-China)

Weiter auf dem Karakorum Highway Richtung Süden…

… bis sich der mächtige Muztagh Ata („Vater aller Berge“) – mit über 7000m zu unserer Linken zeigt.

Beliebter Touristenort: der Karakol See direkt vor Muztagh Ata

… und weil’s so schön ist: Muztagh Ata’s Rückseite.

Irgendwie schräg, Kamele in dieser Höhe zu sehen! Wir sind schon auf fast 4000m.

Der höchste Grenzübergang der Welt (~4800m), über den wir nach Pakistan einreisen.

Die „Passu Cones“ ganz weit im Norden von Pakistan, im Hunza Valley. Hier lebt die gesündeste Bevölkerung der Welt.

Von Passu aus begeben wir uns auf den „Two Bridges Walk“. Die erste Brücke verzeiht wirklich nicht den kleinsten Fehler!!!

Puuuh … das war KRASS! Zweite Brücke auch überlebt.

Wir verlassen Passu und fahren nach Karimabad – ein sehr entspanntes Städtchen am Hang mit Blick auf das Hunza Valley

Von Karimabad aus machen wir eine 5-stündige Wanderung zum Basecamp des Berges „Ultar“. Auch der „Ladyfinger“ ist von hier zu sehen. Welcher is es wohl???

Auf dem Rückweg vom Ultar Basecamp ins Tal werden wir auf sehr eindrückliche Weise daran erinnert, dass wir in einem religiösen Land sind. Zwei muslimische Bergarbeiter, die nach Westen beten.

Von Gulmit aus geht’s über ‚one of the scariest roads in the world‘ (dem wir zu 100% zustimmen müssen) Richtung Nanga Parbat – einem der 10 höchsten Berge der Welt – und zu den „Fairy Meadows“. Wir sind auf die Märchenwiese gespannt!

Zwei Stunden eine durchaus erhöhte Adrenalinausschüttung, oft nur eine Handbreit vom Abgrund entfernt

Aber … wie so oft, kaum sind wir oben bei den „Fairy Meadows“ angekommen, ist die haarsträubende Anfahrt vergessen und wir haben nahezu freie Sicht auf den Nanga Parbat.

Tut mir leid, ich hab die Bildbearbeitungsfunktion im Handy neu entdeckt. Rechts im Bild ist ein kleiner Pfad, der zum Nanga Parbat Basecamp führt. Diesen hat Fenni Fex genommen. Ich hingegen hab mich mit dem ersten ‚View Point‘ begnügt.

Ich bin enttäuscht vom Gletscher. Ein dreckiger Geröllhaufen ist das für mich. Ich dachte, der wäre eisblau oder zumindest weiß! Naja … vermutlich müsste man einfach noch ein Stückchen hochlaufen 🙂

Trotz eisiger Temperaturen ein erneutes Sternenbild

Manchmal sind wir selber sprachlos, wenn wir hier durch die Gegend gurken. Spektakulär!

Und all dies konnte ich mit viel, viel Geduld in den letzten 2 bis 3 Stunden hochladen, weil ich für ein paar Tage mehr Zeit habe, als sonst. Denn Fenni Fex hat es noch einmal zu den ewigen Gletschern gezogen, während ich hier im schönen Karimabad verweile… Schon im Guesthouse konnte ich nur mit 3 Decken und Fleecejacke schlafen, es ist mir einfach zu kalt da oben!!!

Habe keine Probleme, alleine als Frau unter Pakis zu sein. Bisher sind alle wirklich sehr respektvoll und wohlwollend.

The Pearl of the Silk Road

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Wir steigen für einige Zeit auf Verkehrsmittel um, die uns absurderweise mehr Freiheit als das eigene Auto bieten, stellen unser Fahrzeug auf einem überdachten Parkplatz in Kirgistan ab und überbrücken die 100km, die noch bis Kaschgar (China) gefehlt haben, mit dem Flugzeug. Zwei bissige Wachhunde und ein fröhlicher, stets angetrunkener Wachtmeister leisten unserem Fahrzeug Gesellschaft. Schöner wäre der Parkplatz mit Familienanschluss gewesen, den uns eine enorm hilfsbereite, kirgisische Dame schon von Deutschland aus bei ihrer Bekanntschaft organisiert hatte, aber der ist unter freiem Himmel – und dies lässt sich leider nicht mit einer undichten Stelle am Dachfenster vereinbaren, die wir „dank der ersten Schneefälle“ in letzter Minute bemerken und nicht mehr flicken können. Wenn aus einem abenteuerlichen Roadtrip auf einmal zwangsweise „Pauschalreisen“ durch 3 Länder werden sollen (so sehen es China, Myanmar und Thailand vor, wenn man mit dem eigenen Auto daherkommt), dann müssen wir das im Sinne der Freiheit boykottieren. Wir wollen weder einen Guide, der uns dauerbewacht und womöglich die Sitze im WoMo vollpupst, noch wollen wir 200 bis 500 Euro am Tag für diesen Spaß bezahlen. Und in einer Gruppe reisen wollen wir erst recht nicht.

Das eindrucksvolle Tianshan-Gebirge zwischen Kirgistan und China

Der Flug ist kurz, aber absolut spektakulär und mit Sicherheit nicht weniger schön, als der Landweg! Superlative prägen den Weg. Wir überfliegen den zweitgrößten Gebirgssee der Erde und machen Zwischenlandung in der von allen Ozeanen am weitesten entfernten Stadt der Welt (Ürümqi). Nur noch 2500km bis zum Strand. Halte durch, Claudi, halte durch.

Der Issyk Kul in Kirgistan ist der zweitgrößte Gebirgssee der Erde (nach dem Kackatitti in Südamerika).

Und dann landen wir endlich … in Kaschgar! Sehnsuchtsziel. Pearl of the Silk Road. Wer sich mit der Seidenstraße und ihren vielen Routen beschäftigt, wird früher oder später auf diese Stadt im äußersten westlichen Zipfel von China aufmerksam.

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… die Nudeln kommen nämlich gar nicht aus Bella Italia, sondern aus China. Hier also die Originalversion von Spaghetti Bolognese.

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Uighuren auf dem Sunday Bazaar in Kaschgar (China)

Hier ist schon so manche Karawane durchgezogen, viele Händler aus allen Himmelsrichtungen sind aber auch hängengeblieben. Und so entstand im Lauf von 2000 Jahren ein ethnischer Mix, der seinesgleichen sucht. Ein China der anderen Art (aber aufgrunddessen auch eine konfliktreiche Gegend, denn was der Chinese nicht kennt, mag er nicht).

Schon ganz nett in der „Old Town“ – aber halt nicht das Original!

Bedauerlich nur, dass die Chinesen die Altstadt „wegen Einsturzgefahr“ vor 8 Jahren komplett plattgewalzt und „originalgetreu“ nachgebaut haben. Maria hat gerade nach einem Kita-Platz für Jesus gesucht, da gab es Kaschgar schon. Marco Polo ist einige Zeit später hier auf nem Gaul durchgeritten. Der Ort ist einzigartig – und die Chinesen erstellen einfach eine Kopie davon! Naja. Gratulation.

„Old Town of Kashgar“

Von Kaschgar geht die Südroute der Seidenstraße über den Karakoram Highway nach Pakistan. Da wollen wir schon seit Jahren hin! Die Chinesen weigern sich jedoch, uns Bustickets zur Grenze zu verkaufen. Denn zur Zeit tagt die Kommunistische Partei im 5000km entfernten Peking, und daher dürfen Ausländer nicht mit dem Bus fahren. Ist doch klar. Dann nehmen wir eben ein Taxi. Ihr könnt uns mal.

Milky Way and nomad people

Wir verlassen den Süden Kirgisiens

Wir sagen den wilden Reitern  in Südkirgisien auf Wiedersehen (und meinen das auch so) und begeben uns Richtung Norden in die … dreimal darfst du raten … BERGE.

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Schlafplatz mit Aussicht auf die Milchstraße

Berge, Berge, Berge. Aber eines haben sie ja schon zu bieten, kristallklare Nächte und freien Blick auf die Spiralarme unserer Galaxie. Das gefällt mir gut.

Wir fahren einen Pass nach dem anderen

Puuuh … das hört  einfach nicht auf. Bergauf, bergab. Tiefe Täler, hohe Pässe. In Endlosschleife. Die Straßen werden wieder sehr schlecht, aber ich kann es gut ertragen, dass wir langsam fahren (müssen), denn die Aussichten sind wahrlich schön!

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Wildpferde in irgendeinem Tal

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Irgendein Pass

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Ausblick von irgendeinem Pass

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Irgendein anderer Pass

 

Das Hochplateau am Song Köl See 

Abermals haben wir für 450km fast 3 Tage gebraucht, um ans Ziel zu gelangen: den Song Köl auf über 3000m. Abermals werden wir belohnt, mit einer sagenhaft schönen, weiten Landschaft.

F R E I H E I T

Es tut den Augen und der Seele gut. Wir bleiben 5 Tage.

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Sonnenuntergang am Song Köl See (3000m)

Der Wassertank braucht Nachschub

Wir bleiben länger, als geplant. Tja … woher nun frisches Wasser nehmen? Weit und breit kein Fluss, geschweigedenn ein Wasserhahn. Stümperhaft versuchen wir, mit Gefäßen im See Wasser zu schöpfen. Wir scheitern. Zuviele Wellen und starker Wind! Und Eiseskälte.

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Bei 5° Grad geht man eher weniger gern ins Wasser

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Das örtliche Wasserwerk

Irgendwann  nimmt sich uns ein Kirgise an, der uns eine Wasserpumpe zeigt. Aha! Es dauert zwar ein Weilchen, bis wir 80 Liter abgepumpt haben, aber es klappt.

Die Nomaden ziehen weiter

Wir erwischen noch einen einzigen halbwegs warmen Tag, an dem wir Pferde ausleihen können und einen Ausritt machen. Mehrtägig ist nicht mehr drin, das hält die dickste Daunenjacke nicht aus.

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Ausritt am Song Köl

Die Jurten werden nach und nach weniger. Die Saison ist vorbei. Die Nomaden ziehen weiter, und so auch wir, denn der Winter kommt …

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Der erste Schnee fällt.

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Suchbild: Finde den Fiat!

In love with the horses of Kyrgyzstan

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Kirgistan war Liebe auf den ersten Blick 🙂 So viel vorweg.

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Dedicated to Mrs Wineman and Miss Beautiful

Nach einigen Wochen in der Steinwüste auf einmal grüne Wiesen, Täler und tausende von Pferdeherden (und die schneebedeckten Berge von Tadschikistan nur noch aus der Ferne) zu sehen … so schön! Keine Koppeln. Keine Zäune. Die rennen hier einfach so rum. Fohlen auch. Es scheint, als ob jeder Kirgise reiten kann.

Zum Basecamp des Peak Lenin

Das erste Dorf (Sary Tash) nach der Grenzüberquerung sah gleich mal nach Zivilisation aus. Häuschen, die nach Häuschen aussahen. Es gab wieder Snickers und Bounty im Minimarket. Exzellent.

Ein wenig übermütig, weil wir mit unsere alten Mühle problemlos den Pamir überquert hatten, sind wir dann direkt mal hoch ans Basecamp von Peak Lenin gefahren. ‚Basecamp‘ erinnert eigentlich an Mount Everest, aber andere Berge haben natürlich auch eines, von wo aus man dann den Gipfel besteigen kann (sofern man sich Eispickel besorgt und 1000 Euro hinlegt).

Eine liebevolle, kleine Seenlandschaft und ein paar Yurten und Yaks gab es dann da oben, auf 3600m. Möglicherweise waren einige Touristen etwas irritiert, als da auf einmal ein Stuttgarter Campingmobil den Berg hochtuckert, aber – so what? – fahr halt selber her.

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3 stille Tage und Nächste am Basecamp (3600m) des Peak Lenin (7145m)

Der Bergfex ging noch weiter nach oben, an die Ränder des Gletschers. Ich hatte keinen Bock und hab gelesen („Homo Deus“ – mega Buch!).

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Bergfex (die Bergsteigergene hat er geerbt)

Etwas panisch sind wir dann doch geworden, als es in der 2. Nacht zu regnen und damit auch leicht zu schneien anfing. Auch wenn ich keine Ahnung von Autos habe, so verfüge ich doch über weibliche Intuition, die mir vor der Basecamp-Tour gesagt hat, dass man mit sehr abgefahrenen Reifen (fast ohne Profil) nicht in die Berge fährt. Der Bergfex meinte, er habe seit Mai keinen Regentag gehabt, das sei kein Problem.

Aha.

Als wir wieder unten ankamen, wurden die Reifen zügig gewechselt.

Schnapp das Schaf

Zufällig kamen wir dann an einem Horse Game vorbei. Zwei Reiter-Teams versuchen, sich gegenseitig das Schaf wegzuschnappen. Das Schaf besitzt keinen Kopf und keine Füße mehr. Und es ist generell tot.

Ziemlich rasant, das Spiel – und ein riesen Glück, dass wir es entdeckt haben. Die Horse Game Saison endet eigentlich im August.

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Das bei Kirgisen beliebte Spiel „Schnapp das Schaf“

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Natural-born riders

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Ohne Worte

Ausblick: Jetzt wollen wir auch auf’s Pferd

Wir verlassen heute die Stadt Osh  und das Guesthouse Tes in Südkirgisien, in dem wir nun 6 Tage waren, und versuchen, weiter oben im Norden einen mehrtägigen Ausritt zu Pferd zu organisieren. An einem kleinen See namens Song Kul soll das möglich sein. Vermutlich melde ich mich erst Anfang/Mitte Oktober wieder…

Macht’s gut und haut den dummen AfD-Wählern eins auf die Mütze.

Eure Claudi

 

20 Tage Einsamkeit

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Ich: „Können die Tadschiken eigentlich keine normalen Straßen bauen?“          

Steffen: „Dann wäre der Pamir Highway nicht mehr das, was er ist.“

Rückblick: Mentale Vorbereitung auf die zweithöchste Straße der Welt

Wir taten in der letzten Augustwoche gut daran, in der wunderschönen Hauptstadt von Tadschikistan (Duschanbe) ein paar Tage dem Hedonismus zu fröhnen, wohlwissend, dass das, was kommen würde, mit viel Verzicht verbunden sein würde…

Abermals sind wir überrascht, wie freizügig es in einem muslimischen Land zugehen kann. So sexy kommt der Islam leider viel zu selten daher. Steffen ist ganz aus dem Häuschen vor lauter hübschen Frauen. Ebenso aufgrund der 20 Biersorten, die im Supermarkt zu finden sind.

Und dann … ein Aqua Park? Echt jetzt? Ich packe neben Bikini auch den Badeanzug und sogar meine Leggins plus Langarmshirt ein. Im Spaßbad angekommen, zeige ich einer Angestellten meine Kleiderauswahl. Sie lächelt und deutet auf den Bikini. Alles easy.

 

Der Pamir Highway

Die Tatsache, dass ich erst jetzt ein paar Zeilen schreiben und wie durch ein Wunder auch hochladen kann, ist eine Aussage für sich. Wer in den Pamir Nationalpark fährt, fährt ins Nichts.

Die Straßen verdienen ihren Namen nicht. Der Begriff „Highway“ suggeriert, dass man hier mit 100km/h bei offenem Fenster und wehendem Haar durchs Gebirge fährt und dabei die 7000er ringsum bestaunt.

Die Realität ist, dass JEDES Fahrzeug selten schneller als 50km/h fährt. Dass es staubig ist und die Augen abends brennen. Dass es einen non-stop durchrüttelt. Dass es eher ein car hike als ein road trip ist. Belohnt wird man vor allem mit Stille und Einsamkeit, die wir auch sehr genossen haben. Abgesehen von Begegnungen mit ein paar Hirten und ambitionierten Radlern sind wir oftmals ganz alleine, über Tage und viele hundert Kilometer hinweg.

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Langer Anstieg vom Wakhan Valley zum Khargush Pass

 

Die Fauna ohne Flora

Steffen steht ja auf dieses Nichts. Er ist eher Typ „Wüste/Berg“. Ich bin ja eher Typ „Meer/Insel“. Wasser bedeutet Leben, die Wüste ist für mich tot. Umso schöner, dass hin und wieder ein paar Yaks um uns herumschleichen!!!

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Yaks am Bulunkul See auf 3737m

2 Tage in einem noch mehr abgelegenen Dorf

Wir wollten auch mal in einem Jeep fahren und haben uns einen ortskundigen Fahrer samt Jeep gemietet, um in einem Dorf, wo noch mehr Nichts ist, bei einer Familie zu übernachten. Rauh geht es zu. Totes Tier überall. Pferdefüße, Yakschädel, Kieferknochen. Die Stimmung ist frostig.

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Toter Yak, durch dessen Hörner man nach Afghanistan schauen kann.

Die Familie ist jedoch superfreundlich und bekocht uns lecker. Abends Suppe mit Kartoffeln, Möhren und Nudeln. Morgens leicht salzigen Milchreis, den wir mit einer guten Portion Zucker pimpen.

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Übernachtung bei der Familie, die vielleicht den Yak oben geschlachtet hat.

Unser Fahrer Alimkaza ist ein liebenswerter Narkoleptiker. Wie er es schafft, auf diesen Wellblechstraßen fast am Steuer einzunicken, ist uns ein Rätsel. Irgendwann muss er auf’s Klo. Im Außenspiegel sehe ich, wie er in die Steinwüste kackt und dabei sein Kopf mehrfach auf die Knie fällt. Wir überzeugen ihn, dass Steffen besser fährt, auch wenn das nicht abgemacht war und eigentlich nicht erlaubt ist. Er willigt ein.

Steffen passt seine Fahrweise auch dem 3. Fahrgast an, der auf dem Dach mitfährt und mit dem wir sehr viel Mitleid haben. Es ist Alimkazas Abendessen. Ma, das Schaf.

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Das Abendessen unseres Fahrers hat die 4-stündige Off-Road-Fahrt überlebt, kommt aber eh bald in den Topf.

Wir verlassen den tadschikischen Teil des Pamir Highway

Am Donnerstag, den 14. September, überqueren wir den letzten, hohen Pass auf 4655m. Unser Ducato macht anstandslos mit. Wenig später passieren wir den Grenzposten, der abermals besetzt ist von Volldeppen, die vermutlich hierher zwangsversetzt wurden, und reisen nach Kirgisistan ein…

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Von Khorog in Tadschikistan nach Osh in Kirgisien, Kirgistan oder Kirgisistan.