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Wir steigen für einige Zeit auf Verkehrsmittel um, die uns absurderweise mehr Freiheit als das eigene Auto bieten, stellen unser Fahrzeug auf einem überdachten Parkplatz in Kirgistan ab und überbrücken die 100km, die noch bis Kaschgar (China) gefehlt haben, mit dem Flugzeug. Zwei bissige Wachhunde und ein fröhlicher, stets angetrunkener Wachtmeister leisten unserem Fahrzeug Gesellschaft. Schöner wäre der Parkplatz mit Familienanschluss gewesen, den uns eine enorm hilfsbereite, kirgisische Dame schon von Deutschland aus bei ihrer Bekanntschaft organisiert hatte, aber der ist unter freiem Himmel – und dies lässt sich leider nicht mit einer undichten Stelle am Dachfenster vereinbaren, die wir „dank der ersten Schneefälle“ in letzter Minute bemerken und nicht mehr flicken können. Wenn aus einem abenteuerlichen Roadtrip auf einmal zwangsweise „Pauschalreisen“ durch 3 Länder werden sollen (so sehen es China, Myanmar und Thailand vor, wenn man mit dem eigenen Auto daherkommt), dann müssen wir das im Sinne der Freiheit boykottieren. Wir wollen weder einen Guide, der uns dauerbewacht und womöglich die Sitze im WoMo vollpupst, noch wollen wir 200 bis 500 Euro am Tag für diesen Spaß bezahlen. Und in einer Gruppe reisen wollen wir erst recht nicht.

Das eindrucksvolle Tianshan-Gebirge zwischen Kirgistan und China

Der Flug ist kurz, aber absolut spektakulär und mit Sicherheit nicht weniger schön, als der Landweg! Superlative prägen den Weg. Wir überfliegen den zweitgrößten Gebirgssee der Erde und machen Zwischenlandung in der von allen Ozeanen am weitesten entfernten Stadt der Welt (Ürümqi). Nur noch 2500km bis zum Strand. Halte durch, Claudi, halte durch.

Der Issyk Kul in Kirgistan ist der zweitgrößte Gebirgssee der Erde (nach dem Kackatitti in Südamerika).

Und dann landen wir endlich … in Kaschgar! Sehnsuchtsziel. Pearl of the Silk Road. Wer sich mit der Seidenstraße und ihren vielen Routen beschäftigt, wird früher oder später auf diese Stadt im äußersten westlichen Zipfel von China aufmerksam.

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… die Nudeln kommen nämlich gar nicht aus Bella Italia, sondern aus China. Hier also die Originalversion von Spaghetti Bolognese.

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Uighuren auf dem Sunday Bazaar in Kaschgar (China)

Hier ist schon so manche Karawane durchgezogen, viele Händler aus allen Himmelsrichtungen sind aber auch hängengeblieben. Und so entstand im Lauf von 2000 Jahren ein ethnischer Mix, der seinesgleichen sucht. Ein China der anderen Art (aber aufgrunddessen auch eine konfliktreiche Gegend, denn was der Chinese nicht kennt, mag er nicht).

Schon ganz nett in der „Old Town“ – aber halt nicht das Original!

Bedauerlich nur, dass die Chinesen die Altstadt „wegen Einsturzgefahr“ vor 8 Jahren komplett plattgewalzt und „originalgetreu“ nachgebaut haben. Maria hat gerade nach einem Kita-Platz für Jesus gesucht, da gab es Kaschgar schon. Marco Polo ist einige Zeit später hier auf nem Gaul durchgeritten. Der Ort ist einzigartig – und die Chinesen erstellen einfach eine Kopie davon! Naja. Gratulation.

„Old Town of Kashgar“

Von Kaschgar geht die Südroute der Seidenstraße über den Karakoram Highway nach Pakistan. Da wollen wir schon seit Jahren hin! Die Chinesen weigern sich jedoch, uns Bustickets zur Grenze zu verkaufen. Denn zur Zeit tagt die Kommunistische Partei im 5000km entfernten Peking, und daher dürfen Ausländer nicht mit dem Bus fahren. Ist doch klar. Dann nehmen wir eben ein Taxi. Ihr könnt uns mal.