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Unsere letzten Tage auf Bali in Indonesien hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt. Bis dahin hatten wir wirklich eine tadellose Gesundheitsbilanz, aber dann kam diese Erkältung … und blieb. Nicht ein Ausflug. Nicht eine Welle gesurft. Nicht ein Foto gemacht. 10 Tage ans Bett gefesselt und Ingwertee getrunken.

Dann stand der Flug nach Bangkok an. Theoretisch hätten wir auch gleich bis Kirgisistan fliegen können, aber irgendwie schien uns dieser Tapetenwechsel etwas zu krass. Und da Steffen noch nie in Thailand war, war der 3-tägige Zwischenstop in Bangkok eigentlich ganz nett. Kaum zu glauben, wie schnell er hier wieder aufgeblüht ist. Vor einigen Tagen noch der sterbende Sinusitis-Schwan und nun … voller Energie! Eigentlich ein überzeugter Anti-Kapitalist, bricht hier die innere Shopping Queen in ihm durch. Willenlos stromert er über die Khao San Road. Hier eine Hippie-Hose, da ein cooles T-Shirt, dort ein Armbändchen, vielleicht noch eine Ledertasche, oder doch lieber eine Lichterkette? Schlaraffenland der schönen und außergewöhnlichen Dinge (die liebt er nunmal). Ihm gefällt’s und mich freut’s, dass es ihm gefällt. Auch einen Tempel schauen wir uns an. Habe den 46m langen Buddha im Jahr 2001 zuletzt gesehen und weiß nun, dass er immer noch daliegt.

Liegender Buddha im Wat Pho

Die Perlmuttfüße vom Buddha

Flug von Bangkok über das Tian Shan Gebirge nach Kirgisistan

Jaaa … und dann ist es so weit. Wir verlassen Südostasien und landen in Zentralasien. Hier haben wir – wie der treue Blogleser weiß – im Herbst 2017 unser Wohnmobil abgestellt, nachdem wir von Deutschland aus bis nach Kirgisistan gefahren sind. Der Grund dafür war, dass sowohl China, als auch Myanmar und Thailand verlangen, dass man sich einen (sehr teuren) Guide für die Durchfahrt dieser Länder nehmen muss. Da hatten wir schlichtweg keinen Bock drauf und haben das Fahrzeug einfach in Bischkek geparkt.

Abgesehen von einer dicken Staubschicht finden wir unseren Fiat Ducato in tadellosem Zustand, d.h. ohne Wasserschäden innen oder Rostflecken außen vor.

ERLEICHTERUNG.

Er springt auch gleich an, spitze, weiter geht’s.

Wir haben genug vom Rucksack-Reisen und freuen uns über die eigenen 4 Wände.

Nach einem kurzen Besuch in der Waschanlage stehen wir noch einige Tage im Friends Guesthouse bei Nurik, um die Karre auch innen klarzumachen. Ich bin 2 Tage lang mit Putzen beschäftigt, krieche auf allen Vieren in jede Ecke und jedes Schränkchen. Da ich weiß, wie sehr Steffen das Putzen liebt, bitte ich ihn „einfach nur auszuharren“. Ein folgenschwerer Fehler.

In seiner Ausharr-Phase knüpft er heimlich Kontakte zu anderen Reisenden im Guesthouse und die sind leider, leider Bergleute, Wanderer und sonstige Outdoor-Fuzzies. Er bringt in Erfahrung, dass der Schnee schon so weit abgetaut ist, dass man in die Berge kann. OH NEIN. Wollten wir nicht eigentlich zügig die Heimfahrt antreten? Bergfex Reloaded. Was vor einigen Wochen noch die Wellen waren, sind nun (wieder) die Wanderwege. Sie ziehen ihn magisch an. Die Sonne scheint. Es gibt kein Halten mehr. Wir fahren in das Wandergebiet am Issyk Köl (dem zweitgrößten Gebirgssee der Erde).

Nurik, der nette Besitzer vom Friends Guesthouse (Bischkek, Moskovskya Street 250)

Durch meine Putzaktion habe ich meine Bandscheiben so überlastet, dass ich von Steffen aber netterweise noch 2 Tage Schonfrist bekomme. Der Rücken tut weh (wirklich). Um ein Haar hätte sich meine Schonfrist sogar noch verlängert, denn – JUHU!!! – es fängt plötzlich an zu schneien. Der Schnee ist mein Freund. Ich sehe mich schon mit einem guten Buch und einer heißen Tasse Tee auf dem Sofa chillen. Aber der Schneefall hält nur 2 Stunden an, dann bricht die Sonne wieder durch. Typisch für hier. Scheiße.

Widerwillig krame ich die Funktionsklamotten hervor und füge mich meinem Schicksal.

Wenn es Pferde zu sehen gibt, wandert Frau G. gerne.

Tja … und so wandern wir am ersten Tag von 1800m auf 3000m hoch. 15km geht es stetig bergauf in das Altyn Arashan Tal im Osten des großen Sees Issyk Köl. Schon beim ersten Pferd mit seinem kleinen Fohlen ist meine schlechte Laune verflogen. So eine liebliche Landschaft. So viele Tiere. Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau. Die Schafe blöken lustig.

Das „V.I.P. Yurt Camp“ in Altyn Arashan bei Karakol (Ostkirgisistan)

Oben angekommen – und beide gleichermaßen erschöpft – beziehen wir unsere Jurte. Ein Isreali liegt schon drin. Wir teilen uns die Hütte, denn Feuerholz ist rar und es wird nur eine Jurte beheizt. Alles klar. Emre heißt er und spricht perfekt Englisch, weil er in Amerika studiert hat. Wir verstehen uns blendend. Es sind noch ein kasachisches und ein chinesisches Pärchen zu Gast. Die Kasachen schlafen im eigenen Zelt, die Chinesen haben sich ein „richtiges“ Zimmer im Haupthaus gemietet.

Traditionelle Jurte nach oben fotographiert. Das Muster ist in der kirgisischen Flagge enthalten.

Am zweiten Tag kann ich trotz anhaltender Rückenschmerzen einem kleinen Ausritt nicht widerstehen. Zu schön ist es, auf einem Pferd zu reiten (auch, wenn ich es nie gelernt habe). Mein Pferd gähnt nur auffallend häufig und stolpert so vor sich hin, so dass ich es nach zwei Stunden zurückbringe, während Steffen mit seinem Gaul noch ein bisschen weiter ins Tal reitet. „Strecke machen“, wie er das nennt. Das ist ganz wichtig, dass man „Strecke macht“.

Ausritt ins Altyn Arashan Tal

Abends gehen wir noch in die heißen Quellen, genaugenommen in die sauheißen Quellen. Sie sind alle in kleinen Holzhütten. Man bekommt einen Schlüssel dafür und ist für sich. Eine sehr, sehr wohltuende Aktion (auch für den Rücken).

In der zweiten Nacht wollte Steffen eigentlich alleine in seinem Zelt (das er eigens hierfür mithochgeschleppt hat) auf einem Gipfel schlafen. Der hat Ideen!?! Ich hab gleich gesagt, dass ich da nicht mitmache. Mir freiwillig den Arsch abfrieren, wo ich doch unten in der gemütlichen Jurte am Öfelchen schlafen kann? Auf gar keinen Fall. Er argumentiert damit, dass es gut sei, aus der Komfortzone zu kommen. Aha. Ich sage, dass ich bereits außerhalb meiner Komfortzone bin, wenn das Thermometer unter 20° C fällt. So sieht’s aus.

Jedenfalls war sein Schlafsack nicht mal in der ersten Nacht in der beheizten Jurte ausreichend, und so ließ er die Aktion in der zweiten Nacht dann bleiben, zumal er auch wirklich keine Lust auf eine erneute Erkältung hatte.

Am dritten Tag steigen wir wieder ab. Es ist doch ziemlich kühl noch da oben, vor allem, wenn die Sonne untergegangen ist. Und dann hockt man in der dunklen Jurte und kann nicht viel tun … und wir haben ja noch was vor.

Letzter Schlafplatz auf kirgisischer Seite, bevor wir am nächsten Tag die Grenze nach Kasachstan überqueren.

Vom Issyk Köl geht es also dann Richtung Kasachstan. Wir nehmen die östlichste Grenze, im Dreiländereck „China-Kirgisistan-Kasachstan“. Es ist unglaublich schön hier. Der Grenzübergang läuft geschmeidig, die Landschaft ist sehr abwechslungsreich.

Letzten Sonntag erreichen wir Almaty, die größte Stadt Kasachstans. Hier wollten wir das Auto noch einmal gründlich durchchecken lassen und sind direkt in eine Werkstatt gefahren.

Nach dem Wechseln des Kraftstofffilters ist auf einmal wie wild Diesel irgendwo rausgesprudelt. Dieselpumpe defekt! Da die Werkstatt nur für niedrige Fahrzeuge Platz hatte, wurde ein Abschleppwagen organisiert, der uns in eine große Halle gebracht hat.

Und da wird er nun repariert. Er hat bisher so tapfer durchgehalten, dass uns das gar nichts ausmacht. Er kriegt jetzt nochmal ne Generalüberholung und dann hoffen wir, dass er uns bis nach Hause bringt.

Zeitgleich warten wir auf das russische Visum, das wir morgen im Idealfall bekommen. Und ich muss wirklich sagen, dass es Schlimmeres gibt, als sich in Almaty die Zeit vertreiben zu müssen.

Es ist mit weitem Abstand die schönste und angenehmste Stadt Zentralasiens … aber davon mehr an einem anderen Tag zu einer anderen Zeit.

Unser aktueller Standort: Almaty